Politische Ponerologie – Interview zum Buch von Andrzej Łobaczewski – Teil 1 –

2012-08-06 – 15:35:15

Nachtrag:
Interview mit Dr. Andrzej Łobaczewski im Video des nachstehenden Link.
Politische Ponerologie (Videos) | PRAVDA TV – Lebe die …
http://www.pravda-tv.com/2013/10/politische-ponerlogie-videos/

folgende Ausführungen auch unter
http://de.sott.net/articles/show/1025-Der-Trick-des-Psychopathen-Uns-glauben-machen-dass-Boses-von-anderswo-kommt

© sott.net
Psychopathen regieren unsere Welt. 6% der Menschen werden genetisch bedingt als Psychopathen geboren.
Wissen Sie, was das für den Rest von uns bedeutet?
Interview mit den Herausgebern der Les Editions Pilule Rouge Ausgabe des Buches Politische Ponerologie

Silvia Cattori: Nachdem ich das Buch Politische Ponerologie, Eine Wissenschaft über das Wesen des Bösen und ihre Anwendung für politische Zwecke von Andrzej Łobaczewski gelesen hatte, wollte ich den Autor interviewen. Weil er jedoch krank ist, konnte er auf meine Fragen nicht antworten, außer vielleicht auf kürzeste Art, ein kurzer Paragraph. Zum Glück war es mir möglich, Laura Knight-Jadczyk und Henry See, die Editoren dieses Buches, zu interviewen, die sich mit dem Autor über meine Fragen telefonisch unterhielten und deshalb in der Lage waren, für ihn zu sprechen.
Ich denke, dass jeder dieses Buch lesen sollte, da es den notwendigen Schlüssel zum Verständnis von Ereignissen birgt, die wir sonst nicht nachvollziehen könnten. Das Buch beschreibt die Wurzel des „Bösen“ bzw. des „Übels“, das wahre Wesen davon, und illustriert, wie es sich in der Gesellschaft verbreitet.

Herr Łobaczewski verbrachte Jahre damit, jene Menschen in Machtpositionen, deren Handlungen Inkarnationen des Bösen sind, zu beobachten; Menschen, die man in Fachbegriffen der Psychologie als A(nti)soziale, Psychopathen oder Soziopathen bezeichnet.

Das Folgende hat ein schweizer Psychiater mir gegenüber über das Buch Politische Ponerologie erwähnt:
Ich habe noch nirgendwo anders die Dinge gelesen, die Łobaczewski beim Namen nennt. Noch kein anderes Buch hat dieses Thema auf diese Weise bearbeitet. Es war für mich und meine Arbeit sofort von Nutzen. Die Elemente, die er über verdorbenes/pathologisches Verhalten anspricht – Konflikte in der Geschäftswelt genauso wie in der politischen Sphäre, wo immer mehr Konflikte und Leute dieses Typs anzutreffen sind – halfen mir sofort, die Funktionsweise dieser Individuen zu verstehen, die Konflikte in ihrem Tätigkeitsbereich erzeugen und die, wohin sie auch gehen, die Stimmungsatmosphäre verschmutzen.
Silvia Cattori: Warum wählte Łobaczewski einen Titel, der so hermetisch klingt: „Politische Ponerologie“? Und das für ein Buch, das nicht nur Psychologen und Psychiater interessieren sollte, sondern jeden?

Laura: Zuallererst lassen Sie mich anmerken, dass eine emotionale Verbindung zwischen uns und Dr. Łobaczewski existiert und wir uns bezüglich dieses Interviews mit ihm unterhalten haben. Er ist schon recht bejährt und seine Gesundheit hat sich im letzten Jahr verschlechtert. Er bedauert, dass er nicht mehr fähig ist, persönlich zu antworten; er versuchte es zwar, ist aber nicht stark genug, um selbst die kürzesten Antworten auf schriftliche Fragen niederzuschreiben. Und selbst wenn, ist er nach ein paar Minuten Konzentration erschöpft und seine Aufmerksamkeit beginnt abzugleiten. Wir sind darauf bedacht, seine Gesundheit und Wohlfahrt zu bewahren, aber wir wollten auch der Anfrage nach Antworten auf wichtige Fragestellungen nachkommen. Andrzej hob mir gegenüber telefonisch hervor, dass er vollstes Vertrauen in unser Verständnis des Themas hat. Er wiederholte am Telefon, sowie auch schriftlich, dass er nach jemanden Ausschau gehalten hatte, der in die selbe Richtung geht wie er; auf dieselbe Weise denkt; jemand, dem er sein Werk in die Hände legen konnte – sprichwörtlich die Fackel weiterreichen, genauso wie die Werke, die er von Anderen erhalten hatte. Er hielt jahrelang Ausschau nach jemandem; und es war unsere Arbeit, die seine Kriterien erfüllte.

Nachdem das gesagt wurde, lassen Sie mich auf Ihre Frage eingehen: Warum wählte Łobaczewski diesen Titel? Erstens war das Werk ursprünglich eine Sammlung von technischen und akademischen Dokumenten aus verschiedenen Quellen. Wie Łobaczewski in der Einleitung erklärt, geht nur sehr wenig der Arbeit auf ihn selbst zurück; er war sozusagen nur der Zusammensteller. Akademiker neigen dazu, Titel für ihre Publikationen zu wählen, die in akademischer Terminologie formuliert sind, und Wissenschafter sehen es als ihr Vorrecht an, neue Begriffe zu kreieren, die ihre Entdeckungen beschreiben (wie Physiker zum Beispiel mit Begriffen wie Quark, Muon, Lepton, etc. aufwarten); in diesem Sinne also ist dieser Titel absolut nachvollziehbar. Der Begriff Ponerologie war ursprünglich ein obskurer theologischer Begriff, der das Studium des Bösen beschrieb. Andrzej wusste das und beschloss, dieses Wort für den wissenschaftlichen Gebrauch zurückzubeanspruchen und zu rehabilitieren; denn, wie es sich herausstellt, hat unsere Wissenschaft nicht wirklich ein Wort für das Studium des „Bösen“ per se. Wir brauchen eines.

Henry: Als Łobaczewski uns das Manuskript seines Buches übermittelte, waren wir erstaunt. Wir waren damals mit der Frage beschäftigt, warum – unabhängig von dem Ausmaß des Guten Willens in der Welt – es so viel Krieg, Leiden und Ungerechtigkeit gibt. Es scheint egal zu sein, mit welchem Plan, Religion oder Philosophie große Denker aufkommen – nichts scheint unser Los zu verbessern. Und so ist es schon seit tausenden von Jahren, immer und immer wieder.

Wir hatten auch für einige Jahre im Bereich der Frage über Psychopathie geforscht und einige Artikel über das Thema auf unseren Internetseiten veröffentlicht. Wir hatten auch eine elektronische Fassung der wegweisenden Arbeit über Psychopathie von Dr. Hervey Cleckley, The Mask of Sanity mit Erlaubnis der Inhaber der Urheberrechte zu Forschungszwecken transkribiert, weil es nicht mehr gedruckt wurde. Es ist solch ein relevanter und bahnbrechender Text, dass wir ihn zum freien Download verfügbar gemacht haben. Also hatten wir ein gutes Fundament bezüglich dieser Fragestellungen und auch eine gewisse Ahnung, dass die Frage der Psychopathie und die düstere Situation, der wir auf unserem Planeten gegenüberstehen, miteinander in Verbindung stehen.

Laura: Lassen Sie mich hinzufügen, dass der Grund, warum wir begonnen haben, Psychopathie zu erforschen, darin liegt, dass wir dem Phänomen erster Hand begegnet sind. Wir arbeiteten mit Gruppen von Menschen; und das Phänomen, dass Gruppen von pathologisch Abweichenden korrumpiert werden, indem sie sich unter der Tarnung von Normalität einschleichen (ein Phänomen, das Politische Ponerologie ebenfalls am Beispiel von Gruppen bearbeitet), war uns also aus einem kleineren sozialen Maßstab bekannt. Wir hatten diese Dynamik bereits wiederholt beobachtet und waren mit ihr auch umgegangen, aber in diesen frühen Tagen standen wir sozusagen nur in unseren Unterhosen da. Wir wussten, dass da etwas Merkwürdiges vor sich ging, aber wir hatten noch keine Begriffe oder Kategorien dafür. Wir fanden einige dieser Begriffe und Kategorien in den Texten über Psychopathologie, die aber soziale Dynamiken aussparten.

Henry: Aber Politische Ponerologie präsentiert das Thema auf radikal andere Art als die anderen Texte über Psychopathie und schlägt vor, dass der Einfluss der Psychopathen und anderer [psychologisch] Abweichender nicht nur einer der vielen Einflüsse auf unsere Gesellschaft ist, sondern, unter passenden Umständen, der Haupteinfluss ist, der unsere Lebens- und Denkweise und unser Urteilsvermögen, was rund um uns vorgeht, prägt. Wenn man die wahre Natur dieses Einflusses zu verstehen beginnt – dass sie gewissenlos, emotionslos, selbstsüchtig, kalt, berechnend und ohne jegliche moralische oder ethische Standards ist – , wird man richtiggehend entsetzt; aber gleichzeitig beginnt alles, Sinn zu machen. Unsere Gesellschaft wird immer seelenloser, weil die Menschen, die sie führen und das Beispiel abgeben, selbst seelenlos sind – sie haben buchstäblich kein Gewissen.

Wenn man zu verstehen beginnt, dass die Zügel der politischen und wirtschaftlichen Macht in den Händen von Leuten ruhen, die kein Gewissen, keine Fähigkeit zu echter Empathie haben, eröffnet das eine komplett neue Sichtweise auf das, was wir als „böse“ bezeichnen. „Böses“ ist nicht länger ein moralischer Standpunkt; es kann nun wissenschaftlich analysiert und verstanden werden.

Laura: Durch Łobaczewski ist das Wort Ponerologie von seinem religiösen Begriffsinhalt zurückerobert worden, wo es der Gesellschaft als Ganzes nicht viel Gutes beschert hat, und ist nun die wissenschaftliche Studie über das Böse; über das wissenschaftliche Verstehen der Wurzeln, und wie es Individuen, Gruppen und Gesellschaften wie eine Krankheit infiziert.

Wenn Psychopathen die Schmiede von politischen Linien von Regierungen und die Vorstandsmitglieder von großen Gesellschaften sind, wird die ihre Denkweise und ihre Schlussfolgerungen – ihre ‚Moral‘ – allgemeine Kultur und somit auch die ‚Moral‘ der Bevölkerung, der sie vorstehen. Wenn das passiert, wir der Geist der Bevölkerung infiziert, genauso wie ein Pathogen einen physischen Körper infiziert. Die einzige Art, uns selbst gegen pathologisches Denken zu schützen, ist, uns dagegen zu immunisieren, und das wird gemacht, indem man so viel über die Natur/das Wesen der Psychopathie und deren Einfluss auf uns lernt wie nur möglich. Im Wesentlichen erblüht diese ‚Krankheit‘ in einer Umwelt, wo ihre Existenz selbst verleugnet wird; und diese Verleugnung ist geplant und absichtlich.

Während der Titel des Buches hermetisch erscheinen mag, sollte er im Kontext der großen Schwierigkeiten verstanden werden, die Andrzej hatte, dieses Werk überhaupt einmal zu publizieren. Die ersten beiden Manuskripte sind verloren gegangen, so wie er es in der Einleitung des Buches beschreibt. Eines musste Minuten vor der Ankunft der Polizei bei einer Razzia seiner Wohnung verbrannt werden. Das Zweite wurde über einen Mittelsmann an den Vatikan gesandt, und wurde nie wieder gesehen. Die dritte Version – jene, die von Red Pill Press herausgegeben wird – wurde geschrieben während Andrzej in den USA während der Reagan Präsidentschaft lebte. Zbigniew Brzeszinski bot ihm an, einen Verlag zu finden, aber nach einigen Monaten wurde klar, dass er im besten Fall nichts unternahm, und im schlechtesten Fall sicherstellte, dass es niemals publiziert wird. Das Manuskript lag über zwanzig Jahre daher in einer Schreibtischlade. Es war für eine professionelle Audienz geschrieben worden und der Titel wurde in diesem Kontext gewählt. Das ist auch der Grund, warum der Text äußerst dicht gepackt ist, und der Titel reflektiert daher auch, dass er nicht für den Laien geschrieben wurde. Er wurde für Professionelle in einem akademischen Stil geschrieben, der Łobaczewskis Hintergrund reflektierte.

Wir arbeiten im Moment an einer populäreren Version seiner Ideen.

Silvia Cattori: Łobaczewski hat diese Menschen nicht von einem politischen Standpunkt aus studiert, sondern aus einem psychologischen heraus. Er hat es geschafft zu verstehen, wie es passieren kann, dass böse Menschen, Ideologien und unterdrückende Mächte trotz ihrer Unmenschlichkeit die Unterstützung von großen Bevölkerungszahlen erhalten. Hat nicht jeder von uns eine verdorbene/pathologische Basis; Zeitperioden, wo man durch ein verdorbenes/pathologisches Leben gehen muss?

Henry: Erstens muss gesagt werden, dass „böse Menschen“ die Unterstützung einer großen Bevölkerungszahl nicht brauchen; nur eine machtvolle Minderheit kann die Bevölkerung sowohl ‚anstiften‘ als auch kontrollieren. Sehen Sie sich die Umfragen in den Vereinigten Staaten an. Bushs Popularität bewegte sich jahrelang bei etwa 30% – und das war die gesamte Bevölkerung. Aber weil er von einer äußerst machtvollen Minorität unterstützt wird – die Leute, denen die Medien gehören, die Waffenindustrie und deren Unterstützer beim Militär, die Ölfirmen, und auch noch andere – spielt der allgemeine Missmut keine Rolle. Und so lange Bushs Politik den durchschnittlichen amerikanischen Bürger nicht allzuviel negativ tangiert, kümmert es sie nicht, etwas daran zu verändern.

Laura: In den USA – und überall in der Welt – können selbst die am meisten unterdrückten und unfair behandelten Menschen sehr einfach von Angst kontrolliert werden. Zum Beispiel durch Bedrohungen ihres leistbaren Materialismus: Unterhaltung, Sport, Spiele, usw. Selbst das Versagen von Schulen, des Gesundheitssystems und von sozialen Auffangnetzen bringt die Leute noch nicht dazu, zu hinterfragen was vor sich geht. Es ist, wie Aldous Huxley schrieb, eine wissenschaftliche Diktatur: Brot und Spiele. Kurz gesagt, die meisten AmerikanerInnen sind sich zwar ihrer Unterdrückung bewusst und drücken das in Umfragen aus, aber Jene an der Macht haben sie erfolgreich mit einer Überfülle an Ablenkungen betäubt – Furcht kombiniert mit Vergnügungen – gerade genug, um sie unter Kontrolle zu halten.

Henry: Es ist wie mit der Karotte an der Stock. Solange die Leute in Illusionen leben können, werden sie das auch tun. Wenn jedoch die Illusion Sprünge bekommt, kommt der Stock ins Spiel.

Laura: Menschen ängstigen sich davor, Wellen zu schlagen, weil sie fürchten zu verlieren, was sie besitzen; sie fürchten sich, ihren Frieden zu verlieren und sich anstrengen zu müssen, sich zu widersetzen. Nicht zuletzt verbraucht es ihre ganze Zeit, um die Illusion am Gang zu halten; sie müssen sich täglich versklaven lassen um zu verhindern, dass der neu angeschaffte Geländewagen enteignet wird, und sie wollen Zeit für das Sportprogramm an Samstagen haben.

Henry: Die Bürger malen sich aus, dass Bush ohnedies nur ein paar Jahre Präsident sein wird. Das System wird sich schon von selbst regulieren. Łobaczewski zeigt uns, warum das ein naiver Denkansatz ist. Das System, das an seinem Platz sitzt, ist ein pathologisches System, das sich auf profunde Art vom Wesen bzw. der Natur der meisten Menschen unterscheidet. Menschen mit Gewissen werden von Menschen ohne Gewissen regiert. Dieses Faktum ist die primäre Ungerechtigkeit und der Anfang allen Übels in der Gesellschaft.

Laura: Für viele Jahre operierte dieses System verdeckt, weil es noch gewissenhafte Leute an hohen Positionen gab; aber mit der Zeit wurden sie alle ersetzt bzw. anderweitig beseitigt, und nun ist die Pathologie des Systems ins Freie getreten; aber niemanden kümmert es. Wenn man sich die Geschichte der letzten fünfzig Jahre ansieht, wird man herausfinden, dass fast jede öffentliche Figur, die auf tragische Art umgekommen ist, Gewissen hatte, Mitgefühl für die Leute und genug Einfluss, um Wellen gegen die pathologischen Typen zu schlagen.

Henry: Der zweite Teil Ihrer Frage ist sehr wichtig, denn es ist diese Vorstellung – dass wir alle irgendwie eine verdorbene oder krankhafte Seite in uns haben, dass wir, in Jungs Begriffen eine Schattenseite leben – , die als Hauptantrieb für das pathokratische System dient und es Psychopathen erlaubt, sich in der allgemeinen Bevölkerung zu verstecken. Wir alle sind davon überzeugt worden, dass wir nur Tiere sind und dass es jedem von uns möglich ist, ein Hitler, ein Bush oder ein Mengele zu werden, wenn nur die Rahmenbedingungen dazu stimmen. Wir kaufen diese Idee ab, weil jeder von uns in seinem Leben auch Dinge getan hat, für die wir uns schämen, die wir bereuen. Wir kennen auch die Gedanken, die in Momenten von erhitzter Emotion aufkommen, Gedanken, die besser nicht laut ausgesprochen werden sollten. Wir fühlen, dass wir diese Schattenseite haben, einen Teil von uns, auf den wir nicht stolz sind. Weil wir Scham und Reue über diesen unseren Aspekt von uns fühlen können, projizieren wir diese Eigenschaft auch auf Andere. Am Punkt dieser Projektion machen wir den entscheidenden Fehler.

Dies wirft zwei Situationen auf. Erstens, es gibt Welten Unterschied zwischen jemandem, der in der Hitze des Gefechtes mit einem Anderen die Kontrolle verliert und diese Person physisch oder psychisch missbraucht, und jemandem, der dasselbe mit kalter Berechnung und Vorsatz tut. Die Handlung ist in beiden Fällen falsch. Ich versuche hier nicht, den Missbrauch in einem emotional geladenen Moment herunterzuspielen. Aber die Person, die in einem dunklen Moment ihre Kontrolle verliert, würde sich unmöglich vorstellen können, dieselbe Tat mit kalter Planung zu tun. Etwas in ihm/ihr würde zusammenzucken. In einem Psychopathen existiert diese Stimme des Gewissens nicht. Psychopathen sind fähig, einen Völkermord – so wie heute den Mord der Palästinenser – zu planen; Menschen von Gewissen können so etwas nicht. In der Hitze eines Gefechts mag ein Mensch getötet werden. Durch kalte Planung aber können Tausende getötet werden.

Laura: Ein Weg dies zu verstehen ist zu sagen, dass es Studien gibt die zeigen, dass Psychopathen nicht nur eine höhere Anzahl an gewalttätigen Verbrechen haben, sondern auch andere Arten als nicht-psychopathische Täter begehen. Eine Studie zeigte, dass etwa ein Drittel der Opfer von Psychopathen männliche Fremde waren, während zwei Drittel der Opfer weibliche Familienmitglieder oder Bekannte waren – Verbrechen aus Leidenschaft. Normale Menschen können gewalttätige Handlungen in Zuständen extremer emotionaler Aufwühlung begehen, aber Psychopathen selektieren kaltblütig ihre Opfer aus Rache oder Vergeltung für einen gewissen Zweck. In anderen Worten, psychopathische Gewalt ist instrumental, ist ein Mittel zu einem Zweck, ist räuberisch.

Henry: Zweitens, in einer Gesellschaft, die von pathologischen Werten dominiert ist – wenn man man sie so nennen kann – fördert die Existenz einer kleinen Gruppe von gewissenlosen Leuten eine Kultur von Geiz und Selbstsucht und erzeugt eine Umwelt, wo das Pathologische die Norm ist. In einer solchen Gesellschaft – wie in den Vereinigten Staaten heute, wo der Präsident über Angelegenheiten, die über Leben oder Tod entscheiden, ungestraft lügen kann – wird ein pathologisches Umfeld erzeugt, wo Lügen akzeptabel wird; wo Gewalt akzeptabel wird; wo Gier akzeptabel wird. Es ist eine Nebenwirkung der Ideologie des „Amerikanischen Traums“, wo jeder Erfolg haben kann, unabhängig davon, wieviele man verletzen muss, um ihn zu erlangen. Und die Saat der Pathologie liegt in dem, was man tun muss, um etwas zu erreichen. In solch einer Umwelt nehmen Menschen mit Gewissen, die schwach und leicht zu beeinflussen sind, die Charakteristiken der [psychologisch] Pathologischen an, um zu überleben und Erfolg zu haben. Sie sehen, dass ihre Anführer lügen und betrügen, und schlussfolgern, dass sie, um voran zu kommen, dies ebenfalls tun können.

Laura: Ich nenne das die „Offizielle Kultur“. Linda Mealey von der Abteilung für Psychologie auf dem College of St. Benedict in St. Joseph, Minnesota, schlägt vor, dass in einer wettbewerblichen Gesellschaft – Kapitalismus zum Beispiel – Psychopathie anpassungsfähig (adaptiv) wird und sich höchstwahrscheinlich vermehrt.

Psychopathie ist eine adaptive Überlebensstrategie, die in der amerikanischen Gesellschaft extrem gut gelingt und sich daher in der Bevölkerung vermehrt. Mehr noch, als Konsequenz einer Gesellschaft, in der sich Psychopathie anpasst, werden viele Individuen, die nicht genetische Psychopathen (essenzielle Psychopathen) sind, ebenfalls auf ähnliche Weise angepasst/adaptiert, und werden sogenannte effektive Psychopathen bzw. sekundäre Psychopathen. In anderen Worten: In einer Welt von Psychopathen werden jene, die keine genetischen Psychopathen sind, dazu veranlasst, sich ebenfalls wie Psychopathen zu verhalten, einfach nur um zu überleben. Wenn die Regeln so aufgesetzt werden, dass die Gesellschaft adaptiv für Psychopathie wird, dann macht das aus jedem einen Psychopathen.

Henry: Würde dieser pathologische Einfluss von der Gesellschaft eingedämmt werden, indem man Psychopathen in Quarantäne steckt, oder indem man die Menschen mit Gewissen über die Anzeichen von Psychopathie aufklärt – d.h., wonach man Ausschau halten muss, und wie man mit Manipulation umgeht – , oder indem man die von Psychopathen aufgesetzten Systeme verändert… wenn wir durch solche Methoden fähig wären, diesen ponerischen Einfluss zu entfernen, dann würde der andere Pol, der mit Gewissen, der einflussreichere werden, und alle Menschen würden in Richtung Altruismus und Wahrheit gravitieren, anstatt in Richtung Selbstsüchtigkeit und Lüge.

Wenn wir fähig wären, den pathologischen Einfluss zu entfernen, würden wir herausfinden, dass unsere Vorstellungen der „menschlichen Natur“ falsch und unkorrekt gewichtet waren, weil wir jene, die genetisch bedingt kein Gewissen haben, als „menschlich“ bezeichneten. Entfernt sie und ihre Handlungen aus der Datenmenge, entfernt ihren Einfluss auf die Gesellschaft als Ganzes, und die höheren Qualitäten menschlicher Natur, die zu Gewissen fähig sind, mögen Raum für ihren Ausdruck finden, und zwar auf Arten, die wir niemals für möglich gehalten haben.

Silvia Cattori: Wie können wir zwischen Psychopathen und gesunden Menschen unterscheiden? Können Sie uns das Portrait eines wahren Psychopathen zeichnen? Welche ihrer Fähigkeiten ist problembehaftet?

Laura: Das einfachste, klarste und wirklichkeitsgetreuste Portrait eines Psychopathen wird in den Titeln der drei wegweisenden Arbeiten über das Themengebiet, Without Conscience von Dr. Robert Hare, The Mask of Sanity von Dr. Hervey Cleckley und Snakes in Suits von Dr. Robert Hare und Dr. Paul Babiak gezeichnet[1]. Ein Psychopath ist nicht mehr als das: gewissenlos. Das Allerwichtigste, woran man sich erinnern muss, ist, dass sich diese Eigenschaft einer direkten Beobachtung durch eine Maske der Normalität (auch Maske der Vernunft genannt) entzieht, die oft derart überzeugend ist, dass selbst Experten getäuscht werden können und, als Resultat davon, die Psychopathen zu „Snakes in Suits“ („Schlangen in Geschäftsanzügen“) werden, die unsere Welt kontrollieren. Das war die kurze Antwort.

Henry: Die „Offizielle Kultur“ sieht Psychopathen als Charaktäre wie z.B. Hannibal Lecter aus dem Film Das Schweigen der Lämmer, das heißt, als Serienmörder. Obwohl eine gewisse Zahl an Psychopathen kriminell sind und mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, oder sogar gemordet haben, übertritt der größte Teil jedoch nicht die Schwelle des Legalen. Das sind die Schlaueren und auch die Gefährlichsten, da sie Wege gefunden haben, wie man das System zu ihrem Vorteil ausnutzt.

Es gibt eine Zahl an Wesenszügen, die wir in Psychopathen finden: Ein offensichtliches Merkmal ist das vollständige Fehlen von Gewissen. Ihnen fehlt jeder Sinn von Reue oder Empathie mit Anderen. Sie können aber extrem charmant sein und sind Experten darin sein, wie man durch Sprache ihre Beute bezaubert und hypnotisiert. Weiters sind sie unverantwortlich. Nichts ist jemals ihre Schuld; jemand anders oder die ganze Welt ist immer für ihre ‚Probleme‘ oder Unzulänglichkeiten zu beschuldigen. Dr. Martha Stout identifiziert in ihrem Buch Der Soziopath von Nebenan etwas, das sie Mitleidsmasche nennt. Psychopathen setzen Mitleid ein, um zu manipulieren. Sie überreden dich dazu, ihnen nur eine einzige weitere Chance zu geben, aber niemandem etwas davon zu erzählen, was sie getan haben. Also ist ein weiterer Wesenszug von ihnen – und noch dazu ein sehr wichtiger – ihre Fähigkeit, den Fluss von Informationen zu kontrollieren.

Sie sind weiters unfähig zu tiefen Emotionen. Als Dr. Hare – ein kanadischer Psychologe, der seine gesamte Karriere mit dem Studium von Psychopathie verbracht hat – Gehirntomographien von Psychopathen erstellt hat, während er ihnen zwei Arten von Wörtern zeigte – eine Gruppe voller neutraler Wörter, ohne emotionalen Assoziationen, und eine zweite Gruppe voller emotional geladener Wörter – , sah man, dass, während bei der nichtpsychopathischen Kontrollgruppe unterschiedliche Gehirnregionen aufleuchteten, bei den Psychopathen beide Wortgruppen im selben Bereich im Gehirn verarbeitet wurden: das Sprachzentrum. Sie hatten keine unmittelbare emotionale Reaktion.

Unser gesamtes emotionales Leben ist für sie ein Mysterium, während es aber ein gewaltiges Werkzeug für sie zur Verfügung stellt, uns zu manipulieren. Denken Sie an jene Momente, wo wir durch unsere Emotionen stark beeinflusst werden, und unsere Fähigkeit zu Denken eingeschränkt ist. Stellen Sie sich nun vor, dass sie fähig dazu wären, diese Emotion vorzutäuschen und kühl und berechnend zu bleiben, während die andere Person in einem emotionalen Hexenkessel gefangen ist. Sie könnten Tränen oder Jammern einsetzen, um zu bekommen, was sie wollen, während ihr Opfer wegen den Emotionen, das es durchlebt, bis in die Verzweiflung getrieben wird.

Sie scheinen weiters keine echte Vorstellung von Vergangenheit oder Zukunft zu haben, und leben vollständig für ihre momentanen Bedürfnisse und Verlangen. Wegen der dürren Landschaft ihres Innenlebens suchen sie oft neue Nervenkitzel auf; dazu kann alles zählen, angefangen von dem Machterlebnis beim Manipulieren Anderer, bis hin zum Unternehmen von illegalen Aktivitäten; einfach nur des Adrenalin-Schubs wegen.

Eine weitere Wesensart des Psychopathen ist, was Łobaczewski das spezielle psychologische Wissen über normale Menschen nennt. Sie haben uns studiert. Sie kennen uns besser als wir selbst. Sie sind Experten darin zu wissen, wie man unsere ‚Maschine‘ bedient, wie man unsere Emotionen gegen uns verwendet. Aber noch darüber hinaus: sie scheinen sogar eine gewisse hypnotische Macht auf uns zu haben. Wenn wir im Spinnennetz eines Psychopathen gefangen werden, degeneriert unsere Fähigkeit, zu denken; sie wird benebelt. Sie scheinen eine Art Zauber über uns zu werfen. Erst später, wenn wir nicht mehr in ihrer Gegenwart sind – außerhalb des Einflussbereiches ihres Zaubers – , beginnt die Klarheit unserer Gedanken zurückzukehren und wir fragen uns, wie es möglich war, dass wir unfähig waren, ihren Taten angemessen zu begegnen oder sie zu kontern.

Viele der im englischen Raum geschriebenen Bücher über Psychopathie sprechen über Psychopathen als eine Gruppe, die eine gemeinsame Ansammlung von Merkmalen haben. Der am weitesten verbreitete Maßstab zur Messung von Psychopathie wurde von Dr. Hare entwickelt. Er wird Taxonomie von unterschiedlichen Arten von Psychopathen und anderer pathologischer Typen, und zeigt, wie ihre Abweichungen zusammenwirken, um ein pathologisches System zu formen. Er hat Werke von europäischen Psychologen herausgebracht, die während des Kommunismus verloren gingen.

Laura: Eine Diagnose ist eine umstrittene Sache; es herrscht eine Kontroverse vor, die erklärt werden muss, bevor die Möglichkeiten einer Feststellung verstanden werden können[2].

Łobaczewski diskutiert das Faktum, dass die Psychologischen Wissenschaften in Nazideutschland und dem stalinistischen Russland kooptiert wurden, um totalitäre Regimes zu unterstützen, und dass dies von Psychopathen in Machtpositionen gefördert wurde, die sich anschließend darangemacht haben, jede Möglichkeit, dass akkurate Informationen über diesen Zustand weitreichend bekannt gemacht werden, zu vernichten. Er hebt hervor, dass jedes Regime, das vorrangig von pathologischen Abweichenden zusammengestellt ist, es den Psychologischen Wissenschaften nicht erlauben kann, sich frei zu entwickeln und zu florieren, weil es dazu führen würde, dass das Regime selbst als krankhaft diagnostiziert werden würde, was in weiterer Folge „dem Mann hinter dem Vorhang“ sichtbar machen würde.

Basierend auf Erster-Hand-Observationen des in Frage stehenden Phänomens gibt Łobaczewski an, dass die Unterdrückung von Wissen auf typische Weise von Psychopathen vonstatten geht: verdeckt und hinter einer Maske der Vernunft. Um in der Lage zu sein, die Psychologischen Wissenschaften zu kontrollieren, muss man in der Lage sein zu spüren, was vor sich geht und welche Fragmente der Psychopathologie am gefährlichsten sind. Ein pathologisches politisches Regime ortet jene Individuen innerhalb des Fachgebietes, die selbst Psychopathen sind (üblicherweise ziemlich mittelmäßige Wissenschafter), fördert ihre akademischen Studien, Graduierungen und Erlangung von Schlüsselpositionen mit Aufsichtsfunktion über wissenschaftliche und kulturelle Organisationen. Sie sind dann in der Position, eine oder mehrere talentierte Personen ‚abzuschießen‘, getrieben sowohl durch Eigennutz als auch von dieser typischen Eifersucht, die die Haltung eines Psychopathen gegenüber normalen Menschen kennzeichnet. Sie sind dann diejenigen, die wissenschaftliche Publikationen hinsichtlich ihrer „einwandfreien Ideologie“ beaufsichtigen und versuchen sicherzustellen, dass ein guter Spezialist die wissenschaftliche Literatur, die er braucht, nicht bekommt.

Fakt ist, dass in den letzten 50 Jahren am Konzept der Psychopathie stark genagt wurde und diese sich nun auf eine spezifische Persönlichkeitsstörung bezieht, obwohl es Versuche gegeben hat, die Klassifizierung endgültig loszuwerden und sie nur mehr auf Antisoziale Persönlichkeitsstörung (ASP) zu reduzieren, die eine große Vielfalt von Verhaltensweisen einschließen kann und nicht unbedingt die klinische Diagnose von Psychopathie erfordert. Robert Hare besteht darauf, dass es wichtig ist, dass Psychopathie nicht mit Kriminalität oder Gewalt einhergeht; nicht alle Psychopathen betätigen sich in gewalttätigem und kriminellen Unternehmungen. Umgekehrt sind nicht alle gewalttätigen oder kriminellen Personen Psychopathen.

Nach Robert Hare, Cleckley, Łobaczewski et. al. und vielen andere Experten in Psychopathie, kann eine Diagnose von Psychopathie nicht auf der Basis von einfach sichtbaren Verhaltenssymptomen unter Ausschluss von zwischenmenschlichen und affektiven Symptomen getroffen werden, denn ein solcher Versuch würde Psychopathen aus vielen Menschen machen, die einfach nur durch das Leben oder die Gesellschaft selbst verletzt worden sind, und erlaubt stattdessen den wahren Psychopathen, die eine gut konstruierte Maske der Vernunft tragen, einer Entdeckung zu entgehen.

Nun, kommen wir konkret zur Diagnose und/oder Feststellung im Speziellen: Es gibt eine Anzahl von Theorien über die Ätiologie der Psychopathie – wie z.B. Psychopathie als eine Anpassungsstrategie, als eine Variante normaler Persönlichkeit, eine Fehlfunktion des Gehirns, eine Ausdrucksform von fehlender Zuneigung oder Pathologie in der frühen Kindheit, eine Lernschwierigkeit etc. Es gibt nur sehr wenig empirische Indizien, die die Idee unterstützt, dass ein wahrer Psychopath das Produkt eines Missbrauchs in der Kindheit ist, aber viele Indizien, die die Idee unterstützt, dass Psychopathie genetisch hervorgerufen ist. Das neurobiologische Modell lässt größte Hoffnung zu, dass wir selbst den hinterhältigsten Psychopathen entdecken können.

Wie Henry bereits erwähnt hat, wurde in einer Studie von Reaktionszeiten auf verschiedene Wortarten – emotionale, neutrale und Pseudowörter – festgestellt, dass Ereigniskorrelierte Potenziale (EKP) in Lexikalischen Entscheidungsaufgaben unter Nichtkriminellen anzeigen, dass Reaktionen sowohl auf positive und negative Wörter genauer und schneller ist als jene auf neutrale Wörter. In den Gehirnen dieser Untersuchungssubjekte zeigten die zentralen und seitlichen Gehirnregionen frühe und späte EKP Komponenten im Bezug auf emotionale Wörter. Von den späten Komponenten der EKP dachte man, dass sie eine laufende Verarbeitung des Worts anzeigen.

In derselben Studie zeigten nichtpsychopathische Kriminelle ebenfalls Empfindlichkeit gegenüber den emotionsgeladenen Begriffen. Die Psychopathen jedoch versagten darin, überhaupt eine Reaktionszeit oder EKP-Unterschiede zwischen neutralen und emotionalen Wörtern zu zeigen. Mehr noch, die Morphologie ihrer EKP Diagramme war auffällig von jenen der Nichtpsychopathen verschieden. Die späte Komponente ihres EKPs verzögerte in Nichtpsychopathen lange und war stark, während sie bei Psychopathen kurz und schwach war. Es wird vermutet, dass dies das Faktum reflektiert, dass Psychopathen nur lexikalische Entscheidungen treffen und Informationen nur auf seichter Ebene verarbeiten. Dies wird durch kürzlich durchgeführte bildgebende Verfahren (Gehirnscans) unterstützt, die zeigen, dass psychopathische Rauschgiftsüchtige während der Durchführung von lexikalischen Entscheidungsaufgaben weniger zerebrale Aktivitäten haben als nichtpsychopathische Rauschgiftsüchtige.

Hare et. al. haben weiters entdeckt, dass EKP-Anomalien von Psychopathen sich nicht auf affektive Sprache beschränken, sondern auch abstrakte Sprache. Eine weitere kuriose Entdeckung, die in zwei unabhängigen Studien festgestellt wurde, ist, dass eine unüblich große, negativ geladene Welle über die Frontallappen des Gehirns lief. Eine versuchsweise Interpretation wäre, dass dies eine profunde kognitive und affektive Verarbeitungsanomalie reflektiert.

Andere neue Studien kommen auf ähnliche Ergebnisse und Schlussfolgerungen: dass Psychopathen eine große Schwierigkeit haben, verbales und nonverbales affektives (emotionales) Material zu verarbeiten, dass sie dazu tendieren, die emotionale Signifikanz von Ereignissen falsch zu erfassen, und, was besonders wichtig ist, dass diese Defizite sich durch Brain-Imaging (Gehirnscan-) Techniken sichtbar machen lassen. Psychopathen zeigen auffällige inter-hemispherische Verteilung von Verarbeitungsprozessen, haben Schwierigkeiten, die subtilen Bedeutungen und Nuancen der Sprache, so wie z.B. Wortwitz, Metaphern etc., zu erkennen, haben schlechte olfaktorische Unterscheidungsgabe – möglicherweise wegen orbitofrontaler Störung – , und haben etwas, was wie eine subklinische Form von Denkstörung aussieht, charakterisiert durch fehlende Kohäsion und Kohärenz in ihrer Sprache. All diese kognitiven und affektiven Anomalien können in keinem einzigen der anderen Modelle der Psychopathie erklärt werden, und sie können durch bildgebende Techniken nachgewiesen werden.

Der letztere Punkt: Die Gedankenstörung ist etwas, womit wir bereits gearbeitet haben: Wir haben versucht, einige allgemeine Regeln zu finden, damit die durchschnittliche Person nach ein paar verdeckten Tests während Diskussionen mit Individuen, von denen sie denkt, dass sie sie manipuliert oder täuscht, eine persönliche Einschätzung machen kann.

Aber das ist eine geladene Streitfrage. Wie Łobaczewski hervorhebt: Wenn sich ein Psychopath selbst als normal betrachtet – was natürlich um einiges leichter fällt, wenn er Autorität besitzt – , dann wird er eine normale Person als ‚anders‘ und somit abnormal sehen. Die Aktionen und Reaktionen einer normalen Person, ihre Ideen und moralischen Kriterien fällt bei Psychopathen als abnormal auf. Einem Psychopathen kommt eine normale Person als naiv vor, so wie ein besserwisserischer Gläubiger an kaum nachvollziehbare Theorien über Liebe, Ehre und Gewissen. Ihn als „verrückt“ zu bezeichnen liegt nicht fern. Das erklärt, warum pathologische Regierungen Dissidenten immer als „mental krank“ abstempelten.

Das Rechtssystem ist nicht ausgelegt damit umzugehen, weil das Rechtssystem natürlich eine Kreation von pathologischen Individuen selbst ist; oder es wird zumindest von diesen administriert. Eine gut ausgefeilte Legislation sollte wissenschaftliche Testung von Individuen verlangen, deren Behauptungen, dass jemand Anderer psychologisch abnormal ist, zu nachdrücklich sind oder auf einer fragwürdigen Basis stehen.

Auf der anderen Seite erzeugt jedes pathologische soziale oder herrschende System, in dem Psychiatrie nur zu politischen Aspekten eingesetzt wird, weitere Probleme. Jede Person, die gegen ein regierendes System, das ihm als befremdlich und amoralisch vorkommt, rebelliert, kann von den Repräsentanten dieses Systems leicht selbst als „mental abnormal“ abgestempelt werden; er wäre dann jemand, der eine „Persönlichkeitsstörung“ hat und sich besser einer „psychiatrischen Behandlung“ unterziehen sollte. Und es gibt eine Überzahl an Wegen, wie sie auf die Tests Zugriff bekommen können. Es kann jederzeit ein wissenschaftlich und moralisch degenerierter Psychiater dafür gefunden werden.

Es ist also eine dornige Angelegenheit.

Silvia Cattori: Welche unterschiedlichen Typen hat Łobaczewski identifiziert?

Henry: Wie die meisten anderen Forscher unterscheidet er zunächst zwischen vererbten Abweichungen und erworbenen Abweichungen, d.h., jene, die mit der Pathologie geboren wurden und jene, die aufgrund von Verletzungen des Gewebes oder Traumen des Gehirns in jungem Alter pathologisch geworden sind. Verletzungen des Hirngewebes kann Narben/ischämische Regionen hinterlassen, die die Fähigkeit des Individuums, wahrzunehmen und zu fühlen, beeinträchtigen können. Die betroffenen Bereiche des Gehirns können ihre Aufgaben dann nicht mehr erfüllen, weswegen die Daten in andere Bereiche umgeleitet werden, die eigentlich für andere Aufgaben vorgesehen wären. Łobaczewski nennt Jene, deren Charaktere sich auf deformierte Art herausbilden, Charakteropathen. Er listet dann mehrere Formen von Charakteropathien auf: der paranoide Charakteropath (er zitiert Lenin als ein Beispiel); frontale Charakteropathie, eine Abweichung durch Verletzungen der vorderen Bereiche der Großhirnrinde hervorgerufen (Stalin ist ein Exemplar dieses Typs); drogeninduziierte Charakteropathie, verursacht durch Konsum von Drogen, die das Zentralnervensystem beschädigen. Weiters gibt es pathogeninduziierte Charakteropathen (er schlägt vor, dass Franklin D. Roosevelt an dieser Krankheit litt) genauso wie Menschen mit Epilepsie (er zitiert Caesar und Napoleon).

Die vererbten Erkrankungen sind: Schizoide Persönlichkeitsstörung, essenzielle Psychopathie asthenische, anankastische, histrionische und skirtoide Persönlichkeitsstörungen und jene, die Łobaczewski als „Schakale“ bezeichnet, d.h. Individuen, die als angeheuerte Schützen bzw. als Mörder gegen Bezahlung enden. Łobaczewski spekuliert, dass dieser Typus eine Mischung der anderen Typen ist. Um eine Vorstellung davon zu vermitteln, möchte ich zwei Typen näher erläutern.

Schizoide Persönlichkeitsstörung ist eine Abweichung, die hypersensible und misstrauische Individuen erzeugt, die Gefühle Anderer geringschätzen. Sie werden von hochtrabenden Ideen angezogen, aber ihre verarmte psychologische Natur limitiert stark ihre Wahrnehmungen und verwandeln ihre sogenannten „guten Absichten“ in Einflüsse des Bösen. Ihre Vorstellung von der menschlichen Natur verdirbt letztendlich ihre Bemühungen. Wie Łobaczewski meint, wird ihre Haltung der Menschheit gegenüber durch das ausgedrückt, was er die „schizoide Deklaration“ nennt: „Die menschliche Natur ist so schlecht, dass Ordnung in der menschlichen Gesellschaft nur durch eine starke Macht, geschaffen von hoch qualifizierten Individuen im Namen einer höheren Idee, aufrecht erhalten werden kann.“ Wie viele Bewegungen, die wir heute sehen – angefangen von Faschismus über Kommunismus bis hin zu Neokonservatismus- basieren auf dieser Idee! Man könnte sich leicht vorstellen, dass diese Aussage zum Beispiel von Leo Strauss stammen könnte.

Essenzielle Psychopathen sind der Typus, der am ähnlichsten zur Vorstellung von Psychopathie, wie sie von Cleckley, Hare, Babiak und anderen diskutiert wird, ist. Łobaczewski erwähnt die furchterregende Anmerkung, dass „sie schon im Kindesalter lernen, sich gegenseitig in einer Menschenmenge zu erkennen, und sie ein Gewahrsein der Existenz Anderer, die ihnen ähnlich sind, entwickeln. Sie werden sich auch gewahr, dass sie sich von der Welt der anderen Menschen, die sie umgeben, unterscheiden. Sie betrachten uns von einer gewissen Distanz, wie eine paraspezifische Spezies.“

Denken Sie über die Folgen dieser Anmerkung nach: Sie sind sich, als Gruppe, in einem gewissen Ausmaß über sich selbst bewusst, sogar schon in der Kindheit! In Anerkennung ihrer fundamentalen Unterschiede zum Rest der Menschheit würde somit ihre Loyalität Anderen ihrer Art gehören, d.h. anderen Psychopathen. Łobaczewski hebt hervor, dass in jeder Gesellschaft unserer Welt psychopathische Individuen oft aktive Zusammenschlüsse unter geheimer Absprache bilden – in einem gewissen Ausmaß entfremdet von der Gemeinschaft normaler Leute. Sie sind sich bewusst, dass sie anders sind. Ihre Welt ist auf ewig im Sinne von „Wir gegen sie“ getrennt; d.h., ihre Welt mit ihren eigenen Gesetzen und Gepflogenheiten versus dieser anderen, „fremden Welt“ der normalen Menschen voller vermessener Vorstellungen und Gebräuchen von Wahrheit, Ehre und Anstand, in deren Licht – so wissen sie – sie moralisch gerichtet würden. Ihr eigener verdrehter Sinn von Ehre verpflichtet sie zu Betrügen und Nicht-Psychopathen und ihre Werte zu verunglimpfen. Im Widerspruch zu den Idealen normaler Menschen denken Psychopathen, dass das Brechen von Versprechen und Abmachungen zu normalem Verhalten zählt. Sie begehren nicht nur Besitztümer und Macht, sondern denken auch, dass sie ein Recht darauf hätten, einfach nur, weil sie existieren und sie es wollen. Aber sie verspüren eine besondere Genugtuung, wenn sie sie von Anderen an sich reißen; was sie plagiieren, erschwindeln und erpressen können sind Früchte, die süßer sind als die, die sie durch ehrliche Arbeit erwirtschaften. Sie lernen auch schon sehr früh, dass ihre Persönlichkeiten traumatisierende Effekte auf die Persönlichkeiten von Nicht-Psychopathen haben können, und wie sie Vorteile aus diesem Terror für die Erfüllung ihrer Ziele ableiten können.

Stellen Sie sich also vor, wie Menschen, die nicht das Wissen um diese Sachverhalte haben, komplett im Dunkeln tappen, und von diesen Individuen getäuscht und manipuliert werden können, wenn sie z.B. in verschiedenen Ländern an der Macht sind und vorgeben, den jeweiligen Bevölkerungen gegenüber loyal zu sein, während sie offensichtliche und leicht zu erkennende physische Unterschiede zwischen Gruppen (wie Rasse, Hautfarbe, Religion etc.) ausspielen. Psychologisch normale Menschen würden in diesem Szenario auf Basis von irrelevanten Unterschieden gegeneinander aufgebracht werden, während die an der Macht sitzenden [psychologisch] Abweichenden – die sich fundamental von dem Rest unterscheiden, da sie kein Gewissen haben und unfähig sind, für andere Menschen zu fühlen – als Drahtzieher die Früchte ernten.

Ich denke, dass dieses Szenario ziemlich genau die Situation beschreibt, mit der wir heute konfrontiert sind.

Silvia Cattori: Können Sie uns Beispiele geben, die uns helfen, das Problem in einem allgemeinen Sinn zu verstehen?

Henry: Łobaczewskis Betrag ist seine Analyse, wie die unterschiedlichen Arten von Psychopathen zusammenarbeiten, um ein System zu formen, wo klinisch pathologische Menschen zu Machtpositionen aufsteigen, wo sie über psychologisch normale Menschen herrschen.

Zu Beginn des Buches beschreibt Łobaczewski seine Erfahrungen auf der Universität, wo er dem Phänomen zum ersten Mal begegnet ist. Er ging in die Bibliothek, um einige Bücher über Psychopathie auszuborgen, nur um zu seinem Erstaunen festzustellen, dass sie alle entfernt worden waren! Dies demonstriert ein Wissen um ihre Unterschiede – zumindest bei einigen von ihnen – , und, im Falle des kommunistischen Polens, von jenen, die genug Macht hatten, um Bücher aus einer Universitätsbibliothek zu entfernen. Laura meinte, dass beim Lesen dieser Passage ihr die Haare im Genick zu Berge standen! Die Implikationen dieses Faktums sind weitreichend im Verständnis unserer Welt, wie sie so werden konnte wie heute, und was wir tun müssen, um sie zu verändern.

Aber hier sind einige Beispiele von psychopathischem Verhalten, wie sie von anderen Autoren dargebracht werden:
(1) Eine Mutter spielt mit ihrer vierjährigen Tochter Verstecken. Sie hält ein großes Küchenmesser in ihrer Hand. Sie sagt ihrer Tochter: „Ich zähle bis einhundert, und wenn ich dich finde, dann schneide ich dir die Daumen ab. Das entsetzte Mädchen versteckt sich in ihrem Schrank, und die Mutter, wissend, wo sie ist, lässt sie dort stehen; entsetzt, geängstigt, traumatisiert, bis zum Schluss. Als die Mutter die Tür öffnet, beugt sie sich über die Tochter und ritzt ihr die Haut an einem ihrer Daumen ein.
(2) Eine Familie hat zwei Söhne. Einer begeht Selbstmord mit einem Jagdgewehr. Beim darauffolgenden Weihnachtsfest schenken die Eltern genau dieselbe Waffe ihrem anderen Sohn. Als sie gefragt werden, warum, sagen sie: „Die Waffe funktionierte einwandfrei!“
Wie passt solches Verhalten in ein Glaubenssystem, wo wir alle einen göttlichen Funken ins uns tragen und jeder ein Gewissen hat? Können Sie sich vorstellen, dies ihren eigenen Kindern anzutun?

Laura: Einer der Hauptfaktoren, der bei der Frage betrachtet werden muss, wie eine Gesellschaft von einer Gruppe von pathologisch Abweichenden übernommen werden kann, ist, dass die einzige Eindämmung eine geringe Teilnahme von empfänglichen Individuen in der jeweiligen Gesellschaft ist. Łobaczewski gibt eine ungefähre Zahl für die aktivsten Abweichenden in der Größenordnung von 6% einer Population an. Diese Zahl wird natürlich von Land zu Land aufgrund vieler Variablen unterschiedlich sein. Die westlichen Gesellschaften haben eine breite Masse an anfälligen Individuen.

Der essenzielle Psychopath befindet sich im Zentrum des Spinnennetzes. Die anderen Psycho- bzw. Charakteropathien, die von Łobaczewski und Anderen beschrieben wurden, formen das erste Glied des Pathologischen Kontrollsystems; es sollte bemerkt werden, dass diese viel Zahlreicher sind als die essenziellen Psychopathen selbst. Diese Gruppe besteht also etwa aus 6% jeder beliebigen Bevölkerung (1% essenzielle Psychopathen plus bis zu 5% andere Psycho- bzw. Charakteropathien).

Das zweite Glied eines solchen Systems ist aus Individuen zusammengesetzt, die normal geboren wurden, die aber entweder durch Langzeiteinwirkung von psychopathischem Material oder durch psychische Schwäche entschieden haben, die Begehren der Psychopathen für ihre eigenen selbstsüchtigen Ziele zu erfüllen. In Zahlen, so Łobaczewski, besteht diese Gruppe unter normalen Umständen aus etwa 12% jeder beliebigen Bevölkerung. Łobaczewski meint, dass es ohne Einsatz von gediegenen, nichtpsychologischen Wissenschaften schwierig ist, eine klare Grenze zwischen diesen letzteren Typen und genetischen Abweichenden zu ziehen. An diesem Punkt können die Unterschiede nur mehr deskriptiv sein.

So kommt es, dass etwa 18% jeder beliebigen Gesellschaft bei der Schaffung und Auferlegung einer Pathokratie (oder einem Versuch desselben) aktiv sind. Die 6% bilden die pathokratische Aristokratie und die 12% das Neubürgertum, dessen wirtschaftliche Situation besonders günstig ist.

Einmal aufgesetzt, korrodiert das elitäre psychopathische System den gesamten sozialen Organismus und verschwendet dessen Talente und Mächte. Wenn eine Pathokratie einmal errichtet ist, folgt sie einem gewissen Kurs und hat eine gewisse ‚Schwerkraft‘. In einer Pathokratie entsteht das sozioökonomische System aus einer sozialen Struktur, die von dem politischen Machtsystem geschaffen wird, das wiederum ein Produkt der spezifischen elitären Weltsicht der pathologisch Abweichenden ist. So kommt es, dass eine Pathokratie ein von menschlichen Pathogenen erzeugter makrosozialer Krankheitsprozess ist, der eine ganze Nation zu solch einem Ausmaß befallen kann, dass Parallelen zu einem metastasierenden Krebs gezogen werden können. Und genauso wie der Prozess von Krebs in einem Körper einem charakteristischen pathodynamischen Prozess folgt, so tut das auch die makrosoziale Krankheit Pathokratie.

Es ist unmöglich, sich solch ein pathologisches Phänomen mit den vorhandenen Mitteln von ’normalen‘ Menschen vorzustellen, die die abweichenden Gedankenprozesse von menschlichen Pathogenen nicht miteinberechnen. Es könnte sicherlich gesagt werden, dass die gesamte Welt schon eine sehr lange Zeit von einer ‚verdeckten Pathokratie‘ (bzw. Kryptopathokratie) beherrscht wurde. Viele Forscher schlagen vor, dass es immer schon so etwas wie eine „Geheimregierung“ gegeben hat, die selbst dann aktiv ist, wenn die ‚öffentlich sichtbare Regierung‘ technisch gesehen keine Pathokratie ist. Der Vorschlag wäre hier, dass Psychopathen sich technisch gesehen immer im Hintergrund befinden, auch in den Zyklen der Geschichte, wo es keine Pathokratien gegeben hat (d.h. während den ‚guten Zeiten‘, die Łobaczewski als die Voraussetzung für einen hysteroiden Kreislauf beschreibt, und die Tür zu einer offensichtlichen Pathokratie öffnet).

Wenn wir den Begriff Pathokratie für die „Herrschaft einer geheimen Regierung“ verwenden, dann würde unsere gesamte Geschichte eine Pathokratie darstellen und die Welt würde ihren Sinn verlieren; also ist es wichtig zu bemerken, dass der Begriff Pathokratie das spezifische Phänomen ist, das aus dem Hedonismus von guten Zeiten resultiert. Und dass es durch essenzielle Psychopathen, von denen 100% in öffentlichen Machtpositionen sitzen, charakterisiert ist. Etwas, das in Nazideutschland und dem kommunistischen Russland und Osteuropa aufgetreten ist. Und, so sollte ich hinzufügen, auch etwas, das gerade jetzt auftritt.

Man kann die uns heute betreffenden Probleme nicht wirklich als ‚politisch‘ bezeichnen – unter Verwendung der herkömmlichen Namen von politischen Ideologien – , weil, wie oben erwähnt, pathologisch Abweichende hinter einer vollständig abdeckenden Maske operieren; und zwar durch Täuschung und andere psychologische Tricks, die sie ausgeklügelt praktizieren. Wenn wir denken oder glauben, dass irgendeine politische Gruppe mit irgendeinem Namen in Bezug auf ihre wahre Natur heterogen ist, dann werden wir nicht fähig sein, die Ursachen und Symptome der Krankheit diagnostizieren zu können. Jede Ideologie wird ausgenutzt werden, um die pathologischen Qualitäten sowohl vor ‚Experten‘ als auch vor ‚Laien‘ zu tarnen. Dies oder jenes also als „links“, „rechts“ oder „mittig“, „sozialistisch“, „demokratisch“ oder „kommunistisch“ etc. zu bezeichnen wird uns niemals helfen, die pathologische Selbstreproduktion und ihre expansionistischen externen Einflüsse zu verstehen. Wie Łobaczewski wiederholt: „Ignota nulla curatio morbi!“ Keine (Volks-)Bewegung wird jemals Erfolg haben, die nicht Psychopathie und Ponerologie in ihre Überlegungen einbezieht!

Silvia Cattori: Die [psychologisch] Verdorbenen sind also jene, die angesichts von Problemen, die sie selbst erzeugt haben, sagen: „Es ist die Schuld von Anderen. Ich habe damit nichts zu tun.“

Henry: Genau. Ein Beispiel, das mir gerade einfällt, ist ein von Hare zitierter Psychopath, der seine Eltern ermordete und dann um ein mildes Urteil bat, weil er ein Adoptivkind war!

Nichts ist jemals ihre Schuld. Sie sind niemals verantwortlich für irgendetwas.

Laura: Ich möchte dieses Phänomen ein wenig näher erklären. Ein Psychopath ist ein Individuum, das die Welt in Schwarz und Weiß einteilt, Gut und Böse, und die Unterteilung ist sehr starr. Die psychopathische Struktur wird um eine sehr einfache Struktur herum gebildet: „fühlt sich gut an, ist daher gut / fühlt sich schlecht an, ist daher schlecht“. Und obwohl diese Struktur sehr starr ist, heißt das nicht, dass sie rational oder stabil ist! Dinge sind entweder gut oder schlecht, aber was gut oder schlecht ist, hängt von den unmittelbaren Umständen ab, d.h., was der Psychopath im betreffenden Moment haben möchte.

Aber das ist kein ‚Abwehrmechanismus‘; es ist einfach nur so, dass für den Psychopathen der Locus der Realität darin liegt, was sich „gut anfühlt“, und zwar ohne jeglichen Bezug auf irgendjemand Anderen, außer auf Objekte, die seinen Bedürfnissen dienen. Man könnte fast sagen, dass die psychologische Struktur des Psychopathen dem eines neugeborenen Säuglings entspricht, der sich niemals entwickelt, niemals aufwächst.

Ein Säugling hat noch kein internes Selbst, außer vielleicht in der Mitte eines Bündels an neurologischen Eingaben und Ausgaben zu stecken, die sich nach Zufriedenstellung sehnen und Unbequemlichkeiten ablehnen. Natürlich gibt es bei einem aufgewachsenen Psychopathen bereits hochentwickelte neurologische Schaltkreise, die sich während des Lernprozesses, was am besten funktioniert, ein Verlangen zu stillen oder einen Bedarf zu decken, entwickelten.

Unter dem Einfluss dieser internen Struktur ist der Psychopath nicht fähig, die Bedürfnisse anderer menschlicher Wesen, die subtilen Schattierungen einer Situation oder Mehrdeutigkeiten zu erkennen. Die gesamte äußere Realität wird durch diese starre und primitive interne Struktur gefiltert und nach ihr ausgerichtet.

Wenn ein Psychopath frustriert ist, scheint er zu spüren, dass die gesamte Welt „da draußen“ gegen ihn geht und dass er selbst gut und schwerleidend ist, und eigentlich nur nach dem Ideal von Liebe, Frieden, Sicherheit, Schönheit, Wärme und Komfort trachtet. Das heißt, wenn ein Psychopath mit etwas Unangenehmem oder Bedrohendem konfrontiert ist, wird das betreffende Objekt (Person, Idee, Gruppe, was auch immer) in die „absolut böse“-Kategorie gesteckt, denn, wenn der Psychopath es nicht leiden kann, dann kann es einfach nicht gut sein!

Nun, hier ist der Clou: Wenn sich die Beweise einstellen, dass eine gewisse Wahl oder Handlung eines Psychopathen ein Problem erzeugt hat, oder eine Situation schlimmer gemacht hat, dann muss auch das als Teil des Selbst verleugnet werden und nach „da draußen“ projiziert werden.

Das bedeutet, dass alles, was als „schlecht“ definiert ist, auf jemandem oder etwas projiziert wird, weil die innere Struktur eines Psychopathen keine Makel erlauben wird, nichts Schlechtes, keine Fehler. Und denken Sie daran, dass das nicht so ist, weil sie es wollen, sondern weil sie nicht anders können. So sind sie eben gemacht. Sie sind wie eine Katze, die Spaß daran hat, eine Maus zu quälen bevor sie sie frisst. Das ist es, was sie tun.

Psychopathen sind Meister von Projektiver Identifikation. Das heißt, sie projizieren auf Andere alles, was schlecht ist (was „schlecht“ ist ändert sich laufend nach den Bedürfnissen des Psychopathen), gehen in einen manipulierenden Modus um das Projizierte in der anderen Person zu induziieren, und trachten danach, die Person zu kontrollieren, die aus ihrer Sicht diese „schlechten“ Charakteristiken manifestiert. Auf diese Art erfährt der Psychopath Vergnügen und fühlt, alles „unter Kontrolle“ zu haben.

Denken Sie daran, dass das, was vom Psychopathen für „gut“ gehalten wird, nichts mit Wahrheit, Ehre, Anstand, Rücksicht auf Andere oder irgend etwas anderes zu tun hat, außer mit dem, was der Psychopath in einem beliebigen Moment haben will. Auf diese Weise kann die Verletzung von Rechten Anderer, jedes Foul, jede böse Tat vom Psychopathen verübt werden, und er wird in der Nacht schlafen wie ein Baby (buchstäblich), weil er nichts „falsches“ gemacht hat!

George Bush und seine Neokonservativen können den Irak zerstören, es „Demokratie bringen“ nennen, und sich dabei gut fühlen. Israelische Psychopathen können palästinensisches Gebiet stehlen, Palästinenser ermorden, und es mit der Bibel rechtfertigen und sich dabei gut fühlen. Natürlich wissen sie, dass sie lügen wenn sie lügen, aber innen glauben sie, dass wahre Güte das ist, was sie in dieser Welt gut fühlen lässt. Und sie wissen auch, dass Wesen, so wie sie selbst, von der Mehrzahl anderer Menschen moralisch verurteilt und angegriffen werden, wenn sie nicht ihren Trieb nach dem, was sie begehren, hinter einer Maske von hochtrabender Rechtfertigung verstecken.

Silvia Cattori: Soll das heißen, dass moderne Pathokraten, die in der heutigen sogenannten „Informationsgesellschaft“ operieren, sich nicht z.B. von Unterstützern von Hitler unterscheiden? Außer vielleicht, dass sie noch viel gefährlicher sind, weil sie fortschrittlichere Werkzeuge haben und fähig sind, die verschiedenen Kommunikationsmittel mit größerem Gewahrsein einzusetzen?

Laura: Das fasst es ganz gut zusammen.

Henry: Ein pathokratisches System, das heißt, eine Regierung voller psychologisch Abweichender, wird unabhängig von der getragenen Maske – wie z.B. Faschismus, Kommunismus oder Kapitalismus – ähnliche Effekte erzeugen. Die Ideologie ist unwichtig. Sie dient nur als eine Tarnung und als ein Sammelpunkt für einen gewissen Prozentanteil der Bevölkerung, der als Wählerschaft dient. Diese Wählerschaft glaubt die Slogans und sind unfähig, hinter die Maske zu blicken. Ein gewisser Prozentsatz von ihnen wird die ideologischen Slogans mit den Augen des Gewissens interpretieren und glauben, dass es ihr [der Slogans]Ziel ist, unser Schicksal zu verbessern. Deshalb hören wir immer Slogans über die Bruderschaft von Menschen oder auch die ausgelaugten, leeren Phrasen über Gerechtigkeit und Freiheit, über die Demokratie im Irak, und so weiter, während die Realität eher von Machtlosigkeit, Trennung und Versklavung zeugt. Wenn einzelne Individuen die Kluft zwischen den Idealen und den Handlungen der Führer bzw. der Partei zu sehen beginnen, werden sie sich zurückziehen und von anderen Individuen ersetzt werden.

In der heutigen Welt, wo Information von einer sehr kleinen Zahl von Medien-Outlets kontrolliert wird, und wo diese Outlets eng mit den pathologischen Regierungen in Verbindung stehen, kann eine große Anzahl von Menschen mit pathologischen Denkweisen beeinflusst und infiziert werden. Ein Beispiel davon ist die berühmte Anmerkung von Madeleine Albright im Jahr 1996, als sie über die 500.000 Todesfälle, hervorgerufen durch die Handelssperre im Irak – die meisten davon Kinder – , befragt wurde. Sie antwortete, dass es „es wert“ war, in anderen Worten, dass diese Tode der notwendige Preis waren, um Saddam Hussein zu stürzen. Das ist unzweifelhaft pathologische Logik; aber wie viele Amerikaner haben diesen Ausspruch gehört und sich nichts dabei gedacht? Jeder, der im Moment dieses Ausspruchs nicht empört gewesen ist, ist mit pathologischem Denken infiziert worden, ist ponerisiert worden. Ihr Denken ist nun durch die pathologische Infektion verzerrt.

Silvia Cattori: Sind das fehlende Gewissen und die Unempfindlichkeit gegenüber Leiden Anderer das, was Psychopathen von normalen Menschen unterscheidet?

Henry: Das ist wahrscheinlich der Schlüsselpunkt, den die Menschen verstehen müssen. Seit Jahrhunderten versuchten Künstler und Schriftsteller zu verstehen, wie es kommt, dass unsere Welt in einer Endlosschleife von Leiden gefangen ist. Sie haben versucht, moralistische Erklärungen zu finden. Łobaczewski diskutiert in der ersten Hälfte seines Buches über die Zwecklosigkeit dieser Herangehensweise und schlägt stattdessen eine wissenschaftliche Herangehensweise vor, basierend auf dem Verständnis des Bösen als eine gesellschaftliche Krankheit; als die Handlungen von pathologischen Abweichenden innerhalb einer Gesellschaft. Ohne die Fähigkeit, sich in jemandem einfühlen zu können, können diese Menschen nicht das Leiden fühlen; genauso wenig wie die Katze das Leiden der Maus fühlen kann, wenn sie sich mit ihr spielt bevor sie sie frisst. Bush kann tausende amerikanische Soldaten in den Irak oder nach Afghanistan schicken, wo sie getötet oder dauerhaft verstümmelt werden, oder wo sie selbst Tausende töten und das gesamte Land zerstören; er kann die Folter von Häftlingen absegnen, die Aktionen von Israel im Libanon unterstützen; es ist absolut kein Leiden, das er damit anrichtet, für ihn real. Es gibt keine Vorrichtung in diesen Menschen, die diese Emotionen verarbeiten könnte. Sie sind auf physiologischer Ebene unfähig, dies zu tun.

Laura: Sie haben nicht die Hardware, um dieses Programm laufen zu lassen.

Henry: Das einzige Leiden, das ein Psychopath kennt, ist, wenn ihm sein Essen weggenommen wird; und ich verwende hier das Wort in einem symbolischen Sinn: wenn er nicht das bekommt, was er will. Nur so tief geht sein emotionales Leben. Alles andere, was wir in sie hineindichten, kommt aus unserer eigenen Vorstellung; wir projizieren unsere eigene interne Realität zurück auf sie.

Und wir tun das die ganze Zeit, denn es ist sehr schwierig für uns zu begreifen, dass es Leute gibt, die nicht die reichen inneren Welten haben, wie normale Menschen.

Laura: Wenn wir unsere eigene innere Struktur auf einen Psychopathen projizieren, verhalten wir uns eigentlich selbst psychopathisch! Wir sind dann in einer ’schwarzen vs. weißen‘ Welt, wo die Nuancen menschlicher Existenz nicht berücksichtigt werden. Faktum ist, wir sind hinsichtlich Intelligenz, Talente, Erscheinungsbild, etc. nicht alle gleich erschaffen. Und genauso wie alles unterschiedlich aussieht, so sind sie in ihrem psychologischem Make-Up unterschiedlich gebaut, selbst wenn dabei gewisse Dinge sind, die wir uns als Spezies teilen. Łobaczewski hebt hervor, dass es ein universelles Gesetz der Natur ist, dass, je höher die psychologische Organisation einer Spezies ist, umso höher auch die psychologischen Unterschiede zwischen individuellen Mitgliedern ist. Der Mensch ist eine stark organisierte Spezies; folglich sind diese Variationen zwischen Individuen am größten. Psychologische Unterschiede treten in allen Details des Musters menschlicher Persönlichkeit sowohl qualitativ als auch quantitativ auf.

Die Erfahrung lehrt uns, dass psychologische Unterschiede zwischen Menschen oft eine Ursache von Problemen sind. Wir können diese Probleme überwinden, indem wir die psychologische Unterschiedlichkeit als Naturgesetz akzeptieren und ihren kreativen Wert anerkennen. Diese Unterschiedlichkeit ist für die Menschheit ein großes Geschenk, und erlaubt menschlichen Gesellschaften, ihre komplexen Strukturen zu entwickeln und sowohl auf individueller als auch kollektiver Ebene höchst kreativ zu sein. Dank der psychologischen Vielfalt ist das kreative Potenzial jeder gegebenen Gesellschaft viele Male höher als wenn unsere Spezies homogener wäre.

Die normale persönliche Persönlichkeit ist in konstantem Fluss: lernen, wachsen, verändern. Ein lebenslanger evolutionärer Prozess ist die Tagesordnung. Manche politische und religiöse Systeme versuchen, exzessive Stabilität und Homogenität unserer Persönlichkeiten aufzuerlegen, aber es ist aus psychologischer Sicht für Individuen und die Gesellschaft ungesund.

Eine Gesellschaft, die psychologisch angemessen gebildet ist, wird Unterschiede kennen und verstehen, und wird auch über die Hauptsache Bescheid wissen, die normale Menschen gemeinsam haben: die Fähigkeit, ein reifes Gewissen zu entwickeln. Auf diese Weise können Unterschiede gefeiert und das kreative Potenzial voll ausgenutzt werden.

Ende Teil 1

 

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