Politische Ponerologie – Interview zum Buch von Andrzej Łobaczewski – Teil 2-

Rainer Hackmann. Zuerst veröffentlich in blog.de 2012-08-06 – 19:10:57

Beginn Teil 2:

Silvia Cattori: Ist der Grund, dass wir mehr und mehr Manipulierer und [psychologisch] verdorbene Leute auf allen Ebenen finden, dass unsere Gesellschaft Narzissten und Individualisten fördert?

Henry: Sehen wir das nicht an den Werten der Neoliberalen? Die ganze Idee des Kapitalismus ist eine narzisstische Idee. In den Vereinigten Staaten, die als das Modell schlechthin für den Rest der Welt hochgehalten werden, wird uns beigebracht, dass „jedermann Präsident werden kann“. Das ist der Mythos des individuellen Erfolgs. „Richte Dich nach der Nummer 1.“ „Wenn du nur hart genug arbeitest, kannst auch du wohlhabend und erfolgreich werden.“ „Scheitern ist deine eigene Schuld.“

Wenn Psychopathen mit einer solchen Ideologie konfrontiert werden, sind sie besser aufgestellt als Leute mit Gewissen, weil sie keine ethischen oder moralischen Empfindlichkeiten haben, die den Fuß auf die Bremse ihrer Handlungen stellen könnten. Sie sind durchaus bereit, auf Andere zu treten, wenn es notwendig ist, zur Spitze aufzusteigen: Hinterhalt, Lügen, Gerüchte über ihre Rivalen verbreiten; und alles ohne einen Moment an Reue zu verschwenden.

Das Aufdrücken des Neoliberalismus auf den Rest der Welt ist auch ein Weg, größere Regionen des Globus zu ponerisieren. Es versteckt sich eine pathologische Ideologie hinter einer wirtschaftlichen Pseudowissenschaft.

Silvia Cattori: Machen wir einen Fehler, wenn wir denken, dass das von Israel in Palästina und von den USA in Afghanistan hervorgerufene Leiden an jenem Tag enden wird, wenn Bush, Olmert o.a. ihre Machtpositionen verlassen? Dass die Ursachen systemisch sind und sogar immun gegen Veränderungen von politischen Parteien oder Regierungen?

Henry: Ja. Sehen Sie sich nur die Vereinigten Staaten an. Die zwei Parteien sind Spiegelbilder voneinander. Beide werden gebraucht, um das Image einer Demokratie am Leben zu erhalten; beide dienen demselben Herren. Aber es gibt keine Anführer in den USA, die aufstehen und über den Völkermord in Palästina sprechen. Die Tode von hunderten und tausenden Irakis werden mit Schweigen begegnet. Es gibt keinen Platz für Gewissen in der US Regierung, in keiner von beiden Parteien, und die Kontrolle über die Presse stellt sicher, dass jene, die einsprechen können, es nicht tun – von anderen Mitteln wie Erpressung und Drohungen einmal ganz abgesehen.

Israel ist ein Staat, der auf einer großen Lüge gegründet wurde: dass ein übernatürliches Wesen erklärte, dass eine kleine Gruppe Menschen „seine Auserwählten“ sind und es ihnen vor Jahrtausenden ein Stück Land im mittleren Osten zusprach. Die große Lüge von Israel und dem Judentum ist gleichzeitig das Fundament des Christentums und des Islams; die zwei anderen großen monotheistischen Religionen. Also haben wir ein riesiges Stück des Globus, der schon seit Jahrtausenden mit Glaubenssystemen lebt, die völlig offensichtlich grotesk sind – wenn die Lehren wörtlich genommen werden, und nicht als verzerrten Ausdruck einer größeren, darunter liegenden spirituellen Wahrheit angesehen werden.

Wie kann der Austausch eines einzigen Spielers in diesem System eine Dynamik beeinflussen, die sich schon seit Jahrtausenden entwickelt? Die von Łobaczewski beschriebene pathokratische Struktur ist nicht nur auf Regierungen anwendbar, sondern auch auf andere Gruppen und Organisationen: überall dort, wo sich Macht konzentriert. Deshalb können genauso religiöse Organisationen und Befreiungsbewegungen ponerisiert werden; und was in seinen Ursprüngen einmal ein echtes Werkzeug der Befreiung gewesen ist, wird dann zu einem Werkzeug der Versklavung.

Wenn es so ist, wie Łobaczewski vorschlägt, dass essenzielle Psychopathen einander erkennen und zusammenarbeiten können, um gemeinsame Ziele für ihre ‚paraspezifische Spezies‘ zu erreichen, die im Gegensatz zu unseren Interessen stehen, dann haben wir sogar einen Mechanismus, der eine Kontrollstruktur beschreibt, die sich zurück in die Zeit erstreckt, zurück bis in die verstaubte Urgeschichte, wo Psychopathen ihre erste Pathokratie gründeten. Urplötzlich erscheinen Theorien, die bisher nur als „Verschwörungstheorien“ belächelt wurden, in einem völlig neuen Licht, mit einer neuen Erklärungsweise, wie sie funktionieren könnten. Das – so denke ich – ist ein wichtiges Gebiet für weitere Nachforschungen.

Eine andere Frage wäre: Welchen Effekt auf eine Persönlichkeit hat es, wenn diese eine Lüge glaubt? Gibt es eine Pathologie, deren Basis es ist, fundamentale Lügen als Glaubenssystem zu haben? Es wurden Studien hinsichtlich Glaubensvorstellungen und dem Charakter von wahren Gläubigen durchgeführt. Aber was ist, wenn der Fehltritt hier nicht so sehr der Glaube an sich ist, sondern eher der Glaube an eine Lüge? Ist jede beliebige Vorstellung der Glaube an eine Lüge, weil unser Wissen unzureichend ist? Und verzerrt sich unsere Persönlichkeit, wenn wir entgegen allen Widrigkeiten, entgegen der Realität, unseren Glauben an etwas fixieren?

Aber um zu Ihrer Frage zurückzukommen: Israel scheint in der heutigen Welt einen besonderen Platz einzunehmen. Es kann internationales Gesetz brechen und sich gleichzeitig nicht darum kümmern, ob es dafür Rechenschaft ablegen werden muss. Es kann brutale Attacken auf die Palästinenser entfesseln und doch immer nur als das Opfer dargestellt werden – eine typische psychopathische Taktik. Angriffe auf Juden werden rund um den Globus penibel katalogisiert und veröffentlicht, während dieselben Taten auf Araber und Moslems akzeptabel sind – eine weitere psychopathische Eigenschaft. Wir haben auch schon in anderen unserer Bücher, wie z.B. 911 – The Ultimative Truth, spekuliert, dass die auf der Spitze der Machtpyramide sitzenden Psychopathen die Juden für eine spezielle Rolle bei der Keulung der gesamten menschlichen Bevölkerung ausgewählt haben. Die Idee, dass es ausschließlich eine große jüdische Verschwörung gibt, ist nur eine ‚Cover-Story‘, die von den psychopathischen Pathokraten herausgelassen wird, um ihre eigenen Pläne zu verdecken. Es gibt eine Verschwörung; aber sie ist nicht jüdisch, sondern pathologisch.

Silvia Cattori: Können die Dinge nur schlimmer werden, weil das makrosoziale Böse dasselbe Böse ist, das auf die Menschheit schon seit der Dämmerung der Zeit einwirkt? Böses, das irgendwie zur menschlichen Natur dazugehört, ohne das wir handlungsunfähig wären?

Henry: Das Böse ist in der menschlichen Natur nicht inhärent – zumindest nicht in normalen Menschen, die ordentlich gebildet sind. Mit diesem Thema macht Łobaczewski einen der wichtigsten Punkte in seiner Analyse des pathokratischen Systems. Das systemische Böse stammt von einer kleinen Gruppe von Menschen, die kein Gewissen haben; entweder, weil sie so geboren wurden, d.h., sind genetische Psychopathen, oder, weil aufgrund von Verletzungen in ihrer Jugend oder in ihrer Erziehung ihr Gewissen verstorben oder verdörrt ist.

Łobaczewski denkt zum Beispiel, dass Stalin ein Charakteropath war. Das heißt, dass er nicht als Psychopath geboren worden ist, sondern sich seine psychopathischen Eigenschaften als Folge von Verletzungen in seiner Jugend entwickelt haben. Seine Pathologie kann identifiziert werden. In Fakt ist Łobaczewskis Forschung befreiend, weil sie uns von der Vorstellung befreit, dass diese grausamen Handlungen des Bösen der „menschlichen Natur“ innewohnen. Diese Individuen sind wie Krankheitserreger in einem Körper – wie Krebs in einer Gesellschaft, oder wie Lepra. Ein Köper kann von einer Krankheit tatsächlich aufgefressen und vernichtet werden; das tut aber die Krankheit, und nicht der Körper.

Wir können nicht wirklich wissen, was genau die „menschliche Natur“ ist, solange der pathokratische Einfluss nicht entfernt worden ist und eine wahrlich menschliche Gesellschaft – d.h., eine, die von und mit Werten, die mit unserer höchsten Natur, unserem Gewissen, in Einklang stehen – gegründet werden kann.

Silvia Cattori: Wir haben gesehen, mit welcher Leichtigkeit ein George Bush oder ein Tony Blair fähig sind, zu lügen. Sie zucken nicht einmal mit einem Auge, lügen ohne jegliche Scham. Denken Sie, dass Lügner, wie Bush und Blair, als Beispiele eines Narzissten und eines Manipulators, verdorben/pathologisch auf die Welt gekommen sind?

Henry: Wir sind keine Psychologen, und wir werden keine Individuen diagnostizieren. Wir weisen jedoch darauf hin, dass es Erzählungen gibt, dass Bush als Kind Frösche mit Knallkörpern explodieren ließ. Er ist weiters absolut unverantwortlich. Nichts ist jemals seine Schuld. Blair hat den glatten Charme, der von Psychologen, die Psychopathie erforschen, so gern zitiert wird. Sie sind, soweit Sie mich fragen, pathologische Gestalten. Was aber wichtig ist, ist das System; das pathokratische System. Individuen agieren innerhalb des Systems verschiedene Rollen aus.

Silvia Cattori: Sind diese Eigenschaften im Individuum verankert, und können sie korrigiert werden?

Henry: Eine Korrektur hängt von vielen Faktoren ab. Bevor wir über die Korrektur dieser Abnormitäten nachdenken können, müssen wir Wege finden, wie wir uns selbst von ihrem Einfluss schützen können. Erstens heißt das, dass wir anerkennen müssen, dass es solche Leute prinzipiell gibt, und dass sie in Machtpositionen angetroffen werden können; und zweitens, dass wir lernen müssen, die Anzeichen ihrer Manipulationen und die pathologischen Eigenschaften in unserem eigenen Denken zu erkennen, um uns von ihrem Einfluss zu befreien.

Laura: Wie Henry bereits sagt, gibt es viele Variablen. Wenn man von Psychopathen im Speziellen spricht, dann gibt es den heutigen Konsens, dass sie nicht nur unheilbar sind, sondern unbehandelbar.

Das erste Problem ist, dass, wenn man ein Problem behandeln will, man zunächst einen Patienten braucht. Das Wort Patient kommt aus dem Lateinischen und bedeutet leiden. Ein Patient ist per Definition also jemand, der leidet und eine Behandlung sucht.

Psychopathen haben keine Schmerzen und denken auch nicht, dass ihnen etwas fehlt; sie leiden nicht an Stress oder Neurosen, und suchen keine Behandlung freiwillig auf. Sie sehen überhaupt nicht ein, dass ihre Haltung und ihr Verhalten fehl sein könnte, und profitieren daher nicht von den vielen Behandlungsmethoden, die erfunden wurden, um ihnen beim Entwickeln von „Empathie“ oder von „Social Skills“ zu helfen. Der Psychopath erkennt in seiner Psyche keinen Makel, keinen Bedarf zur Veränderung. In Gefängnissen jedoch werden sie an diesen Seminaren teilnehmen, um ihre Freilassung zu begünstigen.

Als die Rückfallsquote von Psychopathen und anderen Straftätern, die bereits in Therapie waren, betrachtet wurde, fand man heraus, dass die Rückfallsquote bei allgemeinen Vergehen bei einer therapierten Gruppe und bei einer nicht therapierten Gruppe fast gleich groß war: 87% vs. 90%. Die Rückfallsquote von gewalttätigen Vergehen war in der therapierten Gruppe entscheidend größer als die in der untherapierten Gruppe: 77% vs. 55%. Im Kontrast dazu wiesen therapierte Nicht-Psychopathen eine erheblich geringere Quote bei allgemeinen und gewalttätigen Rückfällen (44% und 22%) als untherapierte Psychopathen (58% und 39%) auf. Es schien also, als ob die Behandlungsmethoden zwar für Nicht-Psychopathen funktionieren, aber echte Psychopathen noch viel durchtriebener machen.

Ein kanadischer Journalist, der von dieser Studie berichtete, schrieb:
Nach ihrer Freilassung fand man heraus, dass jene, die die beste Führung in den Therapieseminaren hatten, die die höchste „Empathie“-Punktezahl erreichten, auch diejenigen waren, die am ehesten erneut straffällig wurden.
Der Psychopath kurz umschrieben: Sie können alles vortäuschen, nur um zu bekommen, was sie wollen.

Die Frage ist: Wie kommt es, dass die Therapie sie noch schlimmer macht? Robert Hares Vermutung ist, dass Gruppentherapie und einsichtsorientierte Therapie den Psychopathen eigentlich dabei hilft, bessere Mittel und Wege der Manipulation und Täuschung und Ausnutzung zu entwickeln, aber nichts dazu beiträgt, sich selbst zu verstehen.

Freud argumentierte, dass Psychopathen durch Psychotherapie unbehandelbar sind, weil Gewissen eine Voraussetzung für den Einsatz von Psychotherapie ist. Es ist das Gewissen und die damit verwandte Fähigkeit der Anteilnahme an Anderen, die die genaue Überprüfung der eigenen Motive, die dem eigenen Verhalten zugrundeliegen, antreiben. Psychopathen jedoch fehlt das Gewissen und die Anteilnahme gerade per Definition.

Silvia Cattori: Wie kann man herausfinden ob man selbst ein Psychopath ist? Und dass wir noch nicht von den Auswirkungen ihrer Verdorbenheit/Pathologie beeinflusst worden sind, während sie Machtpositionen in einer Regierung innehaben, in der wir uns heute wiederfinden – in einer Gewerkschaft, einer politischen Partei, oder anderswo?

Laura: Auf den ersten Teil Ihrer Frage eingehend, lassen Sie mich sagen, dass dies nicht eine unübliche Frage ist – für einen normalen Menschen; aber inzwischen haben Sie vielleicht bereits mitbekommen, dass, wenn eine Person befürchtet, dass mit ihr etwas nicht ’stimmen‘ könnte, sie dann kein Psychopath ist! Erinnern Sie sich: Der Psychopath kann sich einfach nicht vorstellen, dass irgendetwas nicht mit ihm stimmen könnte.

Henry: Es ist durchaus wahrscheinlich – in Fakt, entsetzlich weit verbreitet – ponerisiert zu werden, wie es Łobaczewski nennt; das heißt, mit diesem Bösen infiziert zu werden. Dies beginnt, wenn man pathologisches Denken als normal zu akzeptieren beginnt. Wir haben bereits das Beispiel von Madeleine Albright genannt. Sehen Sie sich zum Beispiel auch professionellen Sport an. Einschüchterung auf dem Spielfeld wird heute bereits als legitimen Teil eines Sports, wie z.B. Fußball, gesehen. Wir haben während der Weltmeisterschaften 2006 gesehen, wie Materazzi ruchlos Zidane einschüchterte. Die Leute denken sich überhaupt nichts dabei. Sie akzeptieren es heute bereits als Teil des Spiels. Solch verbale Gewalt hat aber nichts mit dem Spiel Fußball an sich zu tun. Es ist nur deshalb ein Teil dieses Spiels, weil die Welt des professionellen Sports, und durch ihre Vorbildswirkung in der Welt des gesamten Sports, ponerisiert worden ist. Was pathologisch ist, wird nun als normal akzeptiert.

Und sobald etwas akzeptiert ist, verbreitet sich die Infektion. Wenn wir beginnen, pathologische Formen des Denkens als unser Eigen zu akzeptieren – als normal – dann beginnt unsere Fähigkeit zu Denken zu degenerieren.

Silvia Cattori: Sie sagen, dass es etwa 6% dieser Verdorbenen/Pathologischen in der Bevölkerung gibt. Wie sind sie auf diese Zahl gekommen?

Henry: Łobaczewskis 6% stammen von seiner Analyse und der der anderen Mitglieder der Gruppe, mit der er arbeitete. Aber sie galten für Polen. Es ist möglich, dass die Zahlen von Land zu Land unterschiedlich sind, abhängig von ihrer jeweiligen Geschichte. Wenn wir uns Nordamerika oder Australien ansehen – Kolonien, die in einem gewissen Ausmaß von Leuten bevölkert wurden, weil sie auswandern mussten, Kriminelle oder Abenteurer waren – , können wir uns fragen, ob die Aussicht auf das Erobern von Kontinenten gewissen Typen mehr Anreiz geboten hat als anderen. Zeigt z.B. die Geschichte des amerikanischen Westens und der Völkermord der indigenen Bevölkerung nicht ein höheres Vorkommen von Psychopathie an? Vielleicht ist heute deshalb der Anteil in den Vereinigten Staaten höher.

Laura: Eine kürzlich durchgeführte Studie über die Angehörigen einer Universität fand heraus, dass etwa 5% oder mehr dieser Untersuchungsgruppe als psychopathisch bezeichnet werden könnten. Dies war eine sorgfältig angelegte Studie um Psychopathen aufzustöbern, die nichtkriminell sind, sondern erfolgreiche Individuen innerhalb der Gesellschaft. Diese Studie demonstrierte auch, dass Psychopathie tatsächlich in der Gesellschaft auftritt und zwar umfassender als erwartet; und dass Psychopathie sich scheinbar nur wenig mit Persönlichkeitsstörungen überschneidet, mit Ausnahme von Antisozialer Persönlichkeitsstörung (ASP). Offensichtlich muss noch einige Arbeit geleistet werden um zu verstehen, welche Faktoren den gesetzestreuen (obwohl nicht moralisch treuen) Psychopathen von dem gesetzesbrechenden Psychopathen unterscheiden. Dies hebt eines der größeren Probleme der heutigen Forschung hervor, die sich bisher nur auf gerichtliche Stichproben konzentriert hat.

Silvia Cattori: Beinhaltet das Männer und Frauen im Allgemeinen?

Laura: Obwohl die Mehrheit der Psychopathen männlich sind, gibt es auch weibliche Psychopathen. Laut einer Schätzung sind die Verhältnisse in etwa 1/10 für männliche versus 1/100 für weibliche Psychopathen.

Silvia Cattori: Wie kamen Sie zu dem Schluss, dass dies unter Männern häufiger auftritt? Heißt das, dass in der allgemeinen Bevölkerung etwa eine Person unter zehn gibt, die Tendenzen in sich trägt – stärker oder schwächer – ein Klima des Konflikts zu erzeugen?

Laura: Dies ist der Mittelwert von mehreren Studien. In der eben zitierten Studie über die Angehörigen einer Universität (nebenbei bemerkt waren das Psychologiestudenten, was uns zum Nachdenken anregen sollte!) wurde eine Zahl von etwa 5% genannt. Wir könnten denken, dass es nur diese Stichprobe war, die solch hohe Zahlen lieferte; eine Stichprobe von Menschen, die in das Studium von Psychologie involviert sind – ein einfacher Weg, Macht über Andere zu erhalten. Auf der anderen Seite könnte es sein, dass diese Studie vermehrt Individuen mit psychopathischen Verhalten einfing, die nicht unbedingt wahre Psychopathen sein müssen. Natürlich könnte die Zahl dort oder da höher sein, höher in einer Profession oder einer anderen, usw. Es muss jedoch im Kopf behalten werden, dass Psychopathen aufgrund ihrer innewohnenden Natur immer zur Spitze aufsteigen – unabhängig von dem Milieu, in dem sie sich wiederfinden. Also stellen Sie sich nicht vor, dass sie in der Kanalisation der Gesellschaft dahinvegetieren, und man ihnen nicht begegnen wird oder nicht von ihnen beeinflusst wird.

Silvia Cattori: Dieser Prozentsatz erscheint sehr klein. Deckt das nur die [psychologisch] Verdorbenen ab, die eine dominante Position innehaben, und die Zwietracht und Durcheinander säen, wohin sie auch gehen?

Henry: Es mag gering erscheinen, weil in einer ponerisierten Gesellschaft viele Menschen von der Krankheit infiziert werden. Sie sehen, was andere tun, und weil sie selbst nicht stark genug sind, ihren eigenen moralischen Werten zu folgen – wenn diese Werte sich von denen ihrer Nachbarn unterscheiden – , dann folgen sie der Herde. Diese Menschen sind die Wählerschaft für den Status Quo. Sie mögen keine Psychopathen an sich sein, aber sie unterstützen und verteidigen sie.

Ein weiterer Aspekt in der Aufrechterhaltung der Wählerschaft ist der Einsatz von Furcht; angefangen durch offene Androhung von Haft oder Folter, bis hin zur Abstempelung, anders zu sein, wie z.B. „gegen den Präsidenten zu sein“ usw.

Laura: Erinnern Sie sich auch an die 12% von Individuen, die für den Einfluss und die Denkweise der Psychopathen anfällig sind. Unter dem Strich hat man in jeder beliebigen Bevölkerung eine Summe von 18% oder mehr, die danach trachten, den Rest zu unterdrücken und zu kontrollieren. Wenn man dann den Rest betrachtet, die 82%, und auch die Normalverteilung, dann sieht man, dass zumindest 80% demjenigen folgen werden, der an der Macht ist. Und da Psychopathen keine Grenzen kennen, etwas zu tun, um an die Spitze aufzusteigen, sind diejenigen, die an der Macht sind, im Allgemeinen pathokratisch. Es ist nicht Macht, die verdirbt, es sind die verdorbenen Individuen, die Macht suchen.

Silvia Cattori: Konflikte scheinen eine Form von Nahrung für diesen Typ von verdorbener/pathologischer Persönlichkeit zu sein. Weil es ihnen erlaubt, ihre Aggression und ihre Gewalttätigkeit auf Andere zu projizieren, und damit sich selbst aus ihren Betrachtungen entfernen?

Herny: Man könnte sagen, dass sie – selbst keine Emotionen habend – sich von der eigenen Macht ernähren, die Emotion Anderer aufzuheizen. Sie gewinnen einen Nervenkitzel aus der Macht, den es ihnen gibt. Es lässt sie fühlen, höherwertig zu sein, und über solchen emotionalen Ausbrüchen zu stehen.

Silvia Cattori: Łobaczewskis Analyse des Lügens ist sehr schlagkräftig. Wenn er demonstriert, dass ein Lügner immer das Recht auf seiner Seite hat, ist er sehr überzeugend. Darin liegt einen neues Verständnis, wie Psychopathen funktionieren. Er erklärt sehr gut die Mechanismen der Lüge. Die Lüge ist das Mittel zum Gewinn und der Kern ihrer Funktionsweise. Ich würde gerne etwas mehr über diesen Mechanismus der Lüge und ihre Effekte erfahren. Wie funktioniert sie? Wie funktionieren all diese Lügner in all ihren Fachbereichen?

Henry: Lügen ist eine äußerst erfolgreiche Strategie, weil sehr wenige Menschen glauben, dass es in der Gesellschaft Lügner aus einem Selbstverständnis heraus gibt.

Denken Sie an eine Scheidung oder andere Gerichtsfälle vor Geschworenen. Die meisten von uns gehen in solch ein Verfahren mit der Vorstellung, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt. Die beiden gegenübertretenden Parteien werden ihre Geschichten erzählen, ein wenig verschönern, sich selbst im bestem Licht darstellen, und der Richter wird annehmen, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt.

Aber was passiert, wenn einer der beiden Parteien ein Lügner ist und die andere Partei die Wahrheit erzählt? Der Lügner ist im Vorteil, weil der Richter immer noch annimmt, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt. Somit kann ein Opfer eines Lügners bzw. Manipulators sich nicht hervortun. Die Wahrheit zu sagen kann diejenige Person nicht 100% der Gerechtigkeit einbringen, die sie eigentlich verdient, während Lügen dem Lügner immer etwas bringen.

Das tägliche Leben ist wie solch ein Gerichtsverfahren. Wir werden, wenn wir eine moralische Person sind, zweifelhafte Umstände für Andere immer günstig auslegen. Ein Lügner bzw. Manipulator würde das niemals tun und den guten Willen der gewissenhaften Person gegen sie verwenden.

Lügen ist deshalb immer die Siegesstrategie. Das kann in sich selbst bereits anzeigen, dass wir in einem pathokratischen System leben!

Laura: Unter Betrachtung der unreifen inneren Struktur eines Psychopathen wird es einfacher, diesen lügenden Aspekt zu verstehen. Der Psychopath lügt nicht auf die Art, wie eine normale Person lügt. Psychopathisches Lügen ist nicht nur im Sinne einer Täuschung, sondern auch im Sinne einer Erzeugung der Realität. Die Realität muss dem Verlangen des Psychopathen nachkommen.

Lassen Sie mich versuchen zu erklären. Die psychopathische Realität existiert durch Befehl: sie deklarieren Dinge so zu sein, wie sie es wollen, und erwarten von Anderen, dies zu akzeptieren. Für sie repräsentieren diese Erklärungen, wie die Realität sein sollte; oder zumindest das, was sie gerne hätten, das Andere als Realität akzeptieren. „Wenn ich sage, dass es so ist, warum sollten mir die Leute nicht glauben?“ Genauso wie Intelligenz nur ein vom Psychopathen verwendetes Werkzeug ist, um seine Marotten erfolgreich umzusetzen, so sind auch „Fakten“ ein Instrument, das zum selben Ziel gebraucht und missbraucht wird.

Psychopathen legen ein extrem verzerrtes Verständnis von dem an den Tag, was wir Fakten nennen. Normale Menschen haben wirklich Schwierigkeiten, dies zu verstehen, weil Fakten für uns ein fundamentaler Teil unseres Lebens ist. Wir leben durch sie, basieren unsere Beurteilungen und Entscheidungen auf sie. Wir stellen Fakten fest, testen Dinge dann, und stellen weitere Fakten fest. Wenn wir diskutieren, dann beginnen wir mit Fakten und zeigen, wie wir unsere Schlussfolgerungen aus diesen Fakten ableiten. Wenn wir das tun, dann rechnen wir damit, dass diese Fakten wahr sind, d.h. sich auf die Wirklichkeit abbilden lassen.

Psychopathen tun so etwas nicht. Weil ihnen die Tiefe echter Emotionen fehlt, haben sie keine Bindung an die Vorstellung von Wahrheit. Weil aber Menschen ihre innere Struktur auf einen Psychopath projizieren, verstehen dies die meisten nicht. Normale Menschen versuchen sich selbst davon zu überzeugen, dass es einen anderen Grund für diesen bizarren mentalen Zustand gibt. Wenn Psychopathen sich nicht mit Fakten herumschlagen, dann denken wir, dass sie einen guten Grund dafür haben müssen, zu glauben, was sie sagen; entweder durch ein missverstandenes Faktum, oder einer Wahnidee. Es ist schwer nachzuvollziehen, dass sie mit solcher Leichtigkeit lügen. Wenn es klar wird, dass der Psychopath lügt, folgern wir, dass sie mit uns ein Spiel spielen.

Genauso wie Cleckley sich damals fragte, ob Psychopathen ihre Pseudo-Emotionen für ‚echt‘ halten, so fragen wir uns, ob sie ihre Pseudo-Fakten glauben. Eine momentane Erklärung mag einer unmittelbar vorhergegangenen Erklärung widersprechen, aber das ist ihnen egal. Sie versuchen erst gar nicht, sich mit dem erzeugten Widerspruch auseinanderzusetzen, weil für sie da kein Widerspruch ist. Denken Sie daran, ein Psychopath kann Abstraktionen wie z.B. Raum oder Zeit nicht verarbeiten, und was sie vor einigen Momenten unter gewissen Umständen gesagt haben, gehört der Vergangenheit an und existiert daher nicht mehr. Es ist für die Realität, die er in den Köpfen aller ihn umgebenden Menschen erzeugen will, nicht mehr relevant.

Als Echo auf die Vorstellung, dass Psychopathen tatsächlich ihre eigenen Lügen glauben, kann man zu Recht herausheben: „Es war einmal eine Zeit, wo – soweit wir wissen – jeder glaubte, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Aber das veranlasste die Sonne trotzdem nicht dazu.“ Wenn man aber auf einen Psychopathen antwortet, „Du behauptest also, dass zu jener Zeit sich die Sonne tatsächlich um die Erde drehte? Und dass nur aus Hörigkeit auf die Glaubensveränderung der Menschen sich die Erde um die Sonne zu drehen begann?“, dann wird man ignoriert oder dafür beschuldigt werden, die ‚Fakten‘ zu verdrehen. Normale Menschen würde denken, dass die Weigerung des Psychopathen, diese Frage zu beantworten – d.h. das Starten eines Angriffs, weil man die ‚Fakten‘ verdreht und sie selbst auch noch dazu – , eine unausgesprochene Bestätigung ist, dass ihr Ausspruch falsch ist. Damit würden sie aber falsch liegen. Sie setzen gleich im Anschluss fort, Proklamationen und Verkündungen über das zu äußern, worauf sie bestehen, das Realität ist; sogar angesichts von Fakten, die das Gegenteil beweisen.

Der Psychopath ist so vollständig selbstzentriert, dass er denkt, dass Andere ihm glauben sollten, einfach nur deshalb, weil er es sagt. Selbst wenn er sich zunächst gewahr ist, dass er lügt, werden sein Bedürfnis, Recht zu haben, kombiniert mit seiner Unfähigkeit, irgendwelche selbstkritischen Gedanken zu haben, ihn überreden, auch ohne die Anderen Recht zu haben. Er spricht ‚einfach nur‘ die Wahrheit. Wie können diese Leute es wagen, seinen guten Ruf in Frage zu stellen? Nicht zuletzt ist er der schlaueste Kerl, den er kennt; warum sollte er also falsch liegen?

Die weitverbreitete New Age Vorstellung „Man erzeugt seine eigene Realität“, ist nur ein Beispiel, wie psychopathisches Denken unsere Gesellschaft durchdrungen hat. Das Prinzip dabei ist folgendes: „Wenn nur genug Menschen glauben, dass etwas wahr ist, dann wird das, was sie glauben, Wirklichkeit.“ Ein Teil des speziellen Wissens der Psychopathen um normale Menschen ist ihre Beobachtung, dass Menschen ihre Glaubensvorstellungen auf Basis der von ihnen wahrgenommenen Fakten bilden. Ein Psychopath wird sich zu einem Experten im Erzeugen von ‚Fakten‘ entwickeln, die normale Menschen veranlassen, an etwas zu glauben, was dem Psychopath dienlich ist.

Ron Suskind, früherer Reporter des Wall Street Journals und Autor von The Price of Loyalty: George W. Bush und Education of Paul O’Neill, schrieb:
Im Sommer des Jahres 2002, nachdem ich einen Artikel für Esquire geschrieben hatte, dass das Weiße Haus Bushs früheren Pressechef, Karen Hughes, nicht mochte, hatte ich ein Treffen mit einem leitenden Berater von Bush. Er drückte den Unmut des Weißen Hauses aus und teilte mir dann etwas mit, dass ich zu jener Zeit noch nicht wirklich verstehen konnte – was aus heutiger Sicht aber direkt das Herz der Bush Präsidentschaft beschreibt.
Der Berater sagte, dass Typen wie ich „in etwas [stecken], das wir die ‚Realitätsbasierte Community‘ bezeichnen“. Er definierte diese als Leute, die „glauben, dass sich Lösungen durch urteilsfähiges Studium der erkennbaren Realität erarbeiten“ lassen. Ich nickte und murmelte etwas über Aufklärungsprinzipien und Empirismus. Er unterbrach mich. „So funktioniert die Welt nicht mehr“, setzte er fort. „Wir sind nun ein Imperium, und wenn wir handeln, dann erzeugen wir unsere eigene Realität. Und während ihr diese Realität studiert – sogar urteilsfähig, wenn sie so wollen – handeln wir schon wieder, erzeugen neue Realitäten, die sie wiederum studieren können, und so werden sich die Dinge abspielen. Wir sind die Macher der Geschichte… und sie, alle von ihnen, werden übrig sein, um einfach nur zu studieren, was wir tun.“
Sie lügen nicht einmal – für sie ist es „neue Realitäten erzeugen“. Nichts von dem, was wir als Wirklichkeit bezeichnen, ist für sie real. Wenn ein normaler Mensch über einen Sessel spricht, dann bezieht er sich dabei auf einen Sessel, der auf seinen Beinen in einem Raum steht. Er ist da, unabhängig davon, ob ihn jemand sieht oder nicht, ob ihn jemand erwähnt oder nicht, oder ob jemand ‚befiehlt‘ ob er da ist oder nicht. Er hat seine eigene souveräne Existenz. Aber so ist das nicht beim echten Psychopathen. Der Psychopath mit seiner/ihrer unreifen inneren Struktur kann nicht nachvollziehen, dass etwas für sich selbst – separat von ihnen – existieren kann. Es ist erst ihre Zurkenntnisnahme, die ihn real macht; und sie nehmen nur das zur Kenntnis, was für sie maßgebend ist; maßgebend im Sinne von „was sie wollen“, und „was sie gut fühlen“ lässt.

Wenn ein normaler Mensch fordert, dass die Erklärungen eines Psychopathen überprüft werden sollten, wird der Psychopath im Gegenzug erklären, dass jener, der solch eine Forderung stellt, keine Integrität hat; was eigentlich heißen soll, dass ihre Stellung – die Erklärung des Psychopathen – nicht gestützt wird!

Aus der psychopathischen Sichtweise ist die Welt wie ein Holodeck. Sie ‚deklarieren‘ Dinge in ihre Existenz. Alles ist nur ein Hologramm. Sie programmieren die Hologramme. Sie interagieren mit ihnen auf genau die Art, die sie wünschen. Sie haben sie unter totaler Kontrolle. Wenn sie sich zur Löschung eines Hologramms entscheiden, erlischt es.

Ein Hologramm ist nicht dazu gemacht, für sich selbst zu denken. Ein Hologramm sollte nicht messen, überprüfen, beurteilen etc. Aber am Wichtigsten ist, dass ein Hologramm nicht seinen Herren kritisieren darf.

Wenn dies aber passiert, kasteien sie es, um es zurück in die Reihe zu bringen. Wenn das nicht funktioniert, ‚löschen‘ sie es. Und wenn sie reale Menschen töten müssen, um das zu tun, dann sei es so.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass das, was wir sagen und worauf wir hinweisen, unabhängig von den Bergen von vorgeführten Fakten, für Psychopathen einfach nicht zählt. Sie haben nur ein Ziel: uns glauben zu machen, sie als normale Menschen anzusehen, damit sie weitermachen können, uns im Sinne ihre eigenen Macht und Herrlichkeit zu täuschen, zu kontrollieren und zu benutzen. Denn das ist es, was sie gut fühlen lässt.

Silvia Cattori: Es gibt deshalb eine andauernde Interaktion: Die Verdorbenen/Pathologischen können nicht alleine über andere dominieren und brauchen daher Alliierte. Daher müssen sie Clans gründen und sie vereinen, um Vorteile jenen anzubieten, die ihren Interessen dienen? Vorteile, die sie an sie binden und sie einsacken? In anderen Worten: Wenn das System verdorben ist, wird dann jeder verdorben und alles ist verloren?!

Henry: Ja und nein. Es gibt innewohnende Schwächen in einem pathokratischen System. Es braucht Zeit. Łobaczewski beschreibt die Dynamik in den östlichen Ländern unter dem Kommunismus. Die Pathokraten sind unfähig, irgendetwas Echtes, Kreatives zu tun. Sie sind angewiesen auf Menschen mit Gewissen, um etwas Kreatives zu verrichten. Nun, eine Gesellschaft ohne Kreativität wird schlussendlich zugrunde gehen. Wenn die bedeutendsten Machtpositionen in dieser Gesellschaft – Regierung, Industrie, Wirtschaft – von Pathokraten besetzt sind, beginnt die absteigende Spirale.

Zeitgleich jedoch beginnen normale Menschen die Gesellschaft so zu sehen, wie sie ist, und entwickeln Überlebensstrategien. Sie beginnen zu begreifen, dass ihre Anführer nicht so sind wie sie selbst.

Wenn eine Gesellschaft zu Sinnen kommt, passiert es unglücklicherweise, dass eine andere Ideologie kommt, die eine weitere Gruppe von [psychologisch] Abweichenden – oder sogar dieselbe Gruppe – tarnt, die bereit sind, den frei werdenden Platz einzunehmen. Als der Kommunismus in der Sovietunion und den osteuropäischen Ländern fiel, waren die kapitalistischen Pathokraten schon gestellt, um die Früchte zu ernten; und einige der kommunistischen Pathokraten waren sogar in der Lage, ein komfortables neues Heim in den ’neuen‘ kapitalistischen Demokratien zu finden.

Die Frage ist, ob solch ein Prozess in den USA bereits begonnen hat, die, wie wir meinen, das heutige Gravitationszentrum für Pathokratie ist. Gegebenen Falles, dass die Pathokraten von einer Agenda getrieben sind, die Bevölkerung des Erdballs um Millionen, wenn nicht Milliarden, durch Krieg oder andere Mittel zu reduzieren, müssen wir uns fragen, ob wir Zeit haben, diesen Zyklus totzulaufen. Wir sind nicht sehr optimistisch.

Aber selbst wenn eine gewisse Ausdrucksform der Pathokratie fällt, bleibt das System selbst an seinem Platz, und zieht seine neuen Anführer anderswo auf, im neuen ‚Zentrum‘.

Silvia Cattori: Ein Beispiel in diese Richtung wäre Irak. Bush wollte Krieg um jeden Preis. Bush log und gewann. Er fand Alliierte vom selben Schlag wie er, wie Blair und Berlusconi. Jene Leute, die ihre Kriminalität aussprechen und ihr freien Lauf lassen. Dies ist ein perfektes Beispiel für das, was Łobaczewski in seinem Buch beschreibt. Es ist schwer zu glauben, wie es kommt, das so wenige Menschen fähig sind zu sehen, was in der Welt vor sich geht und die Konsequenzen beim Namen nennen. Ist es unmöglich, zu diesen Monstern „Nein“ zu sagen?

Henry: Wie sagt man „Nein“, wenn die Medien vollständig durch wieder andere Pathokraten kontrolliert sind? Man kann auf die Straße ziehen, so wie es Millionen von Menschen vor dem Einfall in den Irak taten. Das spielte aber keine Rolle, da die pathokratischen politischen Anführer sich nicht wirklich darum kümmern, was die Leute denken. Sie könnten sich sogar noch weniger darum kümmern, wenn tausende oder Millionen Menschen gegen ihr Vorgehen protestieren – denn sie haben das Militär und furchteinflößende Waffen in ihrem Arsenal. Die Medien verzerrten danach die Message von jenen, die sich widersetzten, und stellten sie als Verräter an die Wand. Sie sind noch immer als Verräter abgestempelt – Jahre nachdem es glasklar wurde, dass der Krieg falsch war und Bush und seine Gang in jeder Hinsicht gelogen hatten.

Und dennoch befinden sich die Vereinigten Staaten immer noch im Irak, und es ist politisch unmöglich geworden, mehr zu erreichen als eine „Diskussion“, ob die Truppen abgezogen werden sollten oder nicht.

Der erste Punkt ist also, wie viele Menschen in einem solchen Kontrollsystem die Realität wahrnehmen; der zweite ist, wie Menschen, die diese Lügen erkennen, reagieren und Veränderungen herbeiführen.

Die Mehrzahl der Menschen haben sich bereits ihr Gewissen zerschmettern lassen, haben so viele Kompromisse akzeptiert, dass sie unfähig geworden sind, über Gegebenheiten korrekt zu denken oder zu fühlen. Sie glauben, dass da draußen unzählige islamische Fundamentalisten herumrennen, die bereit sind, ihre Wohnungen und Schulen zu sprengen. Sie glauben es, unabhängig davon wie absurd diese Vorstellung in Wirklichkeit ist, und angesichts der Tatsache, dass der Großteil dieser Anschläge Operationen unter Falscher Flagge sind. Das gut fundierte Faktum, dass, Geheimdienste Anschläge ausführen um ihre Gegner anzuschuldigen – und es ist unmöglich zu argumentieren, dass dies keine übliche Praxis ist – ist für die Menschen in den USA, in England und anderswo schwerer zu glauben als das Märchen, dass es hunderte islamische Terroristen gibt, die bereit sind, sich selbst im Namen von Allah in die Luft zu sprengen!

Denken Sie zurück zu dem, was Łobaczewski über das benebelte Denken schreibt, das auftritt, wenn sich jemand in der Gegenwart eines Psychopathen befindet. Durch die Medien verbreitet sich diese Benebelung auch unabhängig von einem unmittelbaren persönlichen Kontakt und kann für die Gesellschaft als Ganzes eine Plage werden. Die Gesellschaft an sich erkrankt.

Und für jene, die sich abmühen, mental gesund zu werden und die die Lügen sehen, ist die Kraft, derer sie gegenüberstehen, so überwältigend, dass es leicht passieren kann, dass sie aufgeben. Die Aufgabe erscheint einfach zu übermächtig.

Laura: Ist es unmöglich, „Nein“ zu diesen Monstern zu sagen? Nein. Schwierig? Ja.

Jene Individuen, die denken, dass Veränderung durch rechtliche oder politische Prozesse herbeigeführt werden kann, verstehen nicht, dass sowohl das Recht als auch die Politik im Großen und Ganzen durch pathologisch Typen erschaffen und kontrolliert werden, und dass sie zu ihren Gunsten aufgesetzt sind; und nicht zu Gunsten des normalen Bürgers. So kommt es, dass die Rechtssprechung und die Politik unzureichende Plattformen sind, einer pathologischen Gesellschaft zu konterkarieren, die durch die Bemühungen und den Einfluss von [psychologisch] Abweichenden geschaffen wurde.

Ein weiteres wichtiges Element, woran man sich erinnern sollte, bezieht sich auf Schlichtungen durch rechtliche oder politische Mittel. Die Raffinesse des Pathologischen Abweichenden ist dem eines normalen Menschen weit überlegen. Die meisten Menschen sind sich zwar der außergewöhnlichen Gerissenheit eines Verbrechers bewusst, aber Psychopathie hat in ihren verschiedenen Varianten ein weiteres Element: Maske der Vernunft.

Vor Kurzem haben wir gesehen, wie Cindy Sheehan dem Faktum gegenüber aufgewacht ist, dass die demokratische Partei nur eine weitere Ideologie ist, hinter der die Pathokratie operiert. Sie hat ihre Zelte dort nun abgebaut und ist heute, soweit ich weiß, im 9/11 Truth Movement. Es tut mir leid, sie darüber in Kenntnis setzen zu müssen, dass auch diese Show von Psychopathen umgeleitet wird. Sie haben doch nicht geglaubt, dass sie Verbrechen wie 9/11 durchziehen und nicht gleichzeitig ihren Rücken decken, indem sie eine ‚Wahrheitsbewegung‘ anstiften und kontrollieren, oder?

Wieder und wieder erhalte ich Briefe von politischen Aktionsgruppen, die mich um Geld und Unterstützung bitten. Ich habe ihnen Geld und Unterstützungen gegeben, und habe auch endlose Briefe und E-Mails geschrieben, in denen ich ihnen sagte, dass sie mit ihren „politischen Aktionen“ absolut nichts erreichen werden, wenn sie nicht Psychopathie in die Gleichung miteinrechnen. Sie waren sich alle so sicher, dass, wenn sie die Demokraten wieder an die Macht bringen, sich alles ändern wird. Fakt ist aber, dass sich gar nichts geändert hat. Das ganze Geld und die Mühen sind verschwendet. Und erst jetzt beginnen die Leute das ebenfalls zu verstehen, obwohl wir es von Anfang an gesagt haben.

Also sage ich es nocheinmal – und sage es auch weiterhin – bis das Wissen und das Gewahrsein um pathologische Menschen nicht die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient, gibt es keine Möglichkeit, dass sich die Dinge auf effektive und bleibende Weise verändern. Das ist das erste Gebot in diesem Geschäft, und wenn nur halb so viele Menschen, die sich im Moment für die Wahrheit und den Einhalt von Bush einsetzten, ihre Anstrengungen koordinieren und Zeit und Geld für die Enthüllung von Psychopathie investieren, könnten wir etwas verändern.

Am Ende aber, wurde das Wissen um Psychopathie und darüber, wie Psychopathen die Welt regieren, wirkungsvoll unterdrückt und die Menschen haben daher nicht das adequate, nuancierte Wissen, dass sie wirklich brauchen, um von Grund auf etwas zu verändern. Wieder und wieder war es in der Geschichte das Gleiche: „Triff den neuen Boss, derselbe wie der alte Boss.“

Wenn man es mit Psychopathen zu tun hat, hat man es mit einem kriminellen Geist zu tun, und wenn solche Geister sich in Positionen absoluter Macht befinden – so wie heute – gibt es nichts, was sie zurückhält – und nichts hält sie zurück. Darauf können Sie Gift nehmen.

Bush (oder präziser gesagt, seine Drahtzieher) haben fast vollständige Kontrolle über alle Abteilungen der Regierungen. Man kann das bemerken, wenn man sorgfältig beobachtet, dass egal, was Bush tut, ihn niemand wirklich zur Rede stellt. Alle „Skandale“ die an die Oberfläche gekommen sind – von denen jede eine andere US Administration zu Fall gebracht hätte – , sind bloß Farcen, die für die Öffentlichkeit veranstaltet werden, um sie abzulenken, und ihnen vorzugaukeln, dass die Demokratie immer noch lebt und funktioniert.

Es gibt nur zwei Dinge, die einen Psychopathen unterwerfen können: 1) ein noch größerer Psychopath und 2) die gewaltlose, absolute Weigerung von Allen, sich unabhängig von den Konsequenzen ihrer Kontrolle zu unterwerfen. Wenn jede normale Person in den USA (und weltweit) sich einfach niedersetzen und weigern würde, auch nur einen weiteren Handgriff zu tätigen, um die psychopathische Agenda zu fördern, wenn Menschen sich weigern würden, Steuern zu zahlen, wenn Soldaten sich weigern würden, in den Krieg zu ziehen, wenn Regierungsbedienstete und ‚Business‘-Drohnen nicht zur Arbeit gehen würden, wenn Ärzte sich weigern würden, psychopathische Eliten und ihre Familien zu behandeln, würde das ganze System quietschend zu einem Stillstand kommen.

Aber das kann erst passieren, wenn die Massen über Psychopathie Bescheid WISSEN; in allen Details. Nur wenn sie wissen, dass sie es mit Kreaturen zu tun haben, die nicht wirklich menschlich sind, werden sie verstehen, was sie tun müssen. Aber erst wenn es ihnen miserabel genug geht, dass die Miseren, die ihnen vom Psychopathen zugefügt werden, im Vergleich verblassen, werden sie den Willen haben, das zu tun. Entweder das, oder das Wissen um die schreckliche Welt, die die Psychopathen für ihre Kinder schaffen; in welchem Fall sie aus Liebe für die Zukunft der Menschheit motiviert wären, sich zu widersetzen.

Silvia Cattori: Hat Chirac, nachdem er sich gegen die Invasion des Iraks ausgesprochen hat, dann dennoch Bush unterstützt? Aus Furcht, die Vogelscheuche zu werden? Brauchen die [psychologisch] Verdorbenen eine Vogelscheuche?

Henry: Stellen Sie sich vor, dass Sie ein Politiker mit Gewissen sind, der einer Welt gegenübersteht, die von Menschen dominiert wird, die bereit sind, jeden Trick aus dem Handbuch einzusetzen, um ihre Macht festzuhalten: Verleumdung, Einschüchterung, Bedrohung. In welchem Ausmaß zielte der in Frankreich publik gemachte Skandal über Chiracs Finanzen dazu, ihn zurück in die Reihe zu bringen? Wir können nur spekulieren.

Wir wissen, dass Bush illegal US Bürger ausforschen ließ. Tat er dies, um Daten zu sammeln, die er dann verwenden konnte, oppositionelle Politiker oder Journalisten einzuschüchtern, weil sie zu viele Fragen stellten? Ich denke, es wäre naiv, diese Möglichkeit außer Acht zu lassen.

Laura: Ich scherze manchmal, dass man heutzutage leicht sagen kann, wer die ‚Guten‘ sind. Es sind diejenigen, die die übelsten Pressemeldungen bekommen! Aber so einfach ist es natürlich nicht. Wir dürfen nicht vergessen, dass der echte Krieg sich zwischen der kontrollierenden psychopathischen Elite und dem Rest von uns abspielt. Brauchen die [psychologisch] Verdorbenen Vogelscheuchen? Sicher, es ist ein Teil der Show, in der wir alle mitwirken dürfen. Genauso wie es einer ihrer Tricks ist, Operationen unter Falscher Flagge zu konstruieren, um Hass auf jene umzuleiten, die sie vernichten wollen. Daher ist es durchaus innerhalb ihres bevorzugten Stils, „Good Cop vs. Bad Cop“ zu spielen. Das ist das kleine 1×1 des Machiavellismus.

Silvia Cattori: Die Dynamik, die Sie beschreiben, ist auch im Missbrauch der Medien augenscheinlich. Journalisten, die die Grundsätze der Tel Aviv/Washington-Achse hochhalten, haben die vollständige Freiheit, diese Kriege zu unterstützen. Sind auch sie Teile dieses Monsters? Können wir die Lügner in den Medien unter die 6% zählen? Wie kommt es, dass die Öffentlichkeit nicht durchschaut, dass sie Gaukler sind?

Henry: Wenn das System erst einmal an seinem Platz ist, werden die moralisch Schwachen sich sammeln um es im Gegenzug zu persönlichen Privilegien zu verteidigen. Ihr Selbstinteresse macht sie offen für die Infektion. Deswegen muss nicht jedes Individuum notwendigerweise unter den vielen verschiedenen Typen sein, die Łobaczewski auflistet. Es gibt tausende moralisch korrupte und schwache Individuen, die bereit sind, die Ausführenden für die Machthaber zu spielen, wenn es Berühmtheit oder Geld einbringt, oder einfach nur ein bescheidenes Leben, wo man in Ruhe gelassen wird.

Was aber nicht heißen soll, dass die Medien frei von Psychopathen, Charakteropathen oder von anderen von Łobaczewski definierten Typten ist.

Silvia Cattori: Um uns vom Bösen zu schützen erscheint es also, dass jeder von uns sich fragen muss, ob man sich in der Präsenz von einem dieser verdrehten Personen befindet, die lügen und nur auf ihre eigenen Interessen aus sind. Aber die Menschen können nicht glauben, dass diese [psychologisch] Verdorbenen/Pathologischen Leute sind, die sich vom Bösen ernähren; sich von Konflikten ernähren. Politische Ponerologie beschreibt dies vorzüglich: Konflikte sind ihre Nahrung, sie lieben den Konflikt; sie brauchen den Konflikt, um zu existieren. Ein normaler Mensch kann sich gar nicht vorstellen, dass es in einer Gesellschaft eine Reihe von Menschen gibt, die nicht anders können, als sich vom Bösen zu ernähren. Denken Sie, dass normale Menschen zwar fühlen, dass etwas nicht stimmt, aber nicht verstehen können, dass sie Opfer sind und sie nur aufgrund der Lügen und Manipulationen der [psychologisch] Verdorbenen/Pathologischen leiden?

Henry: Ja. Aber es verlangt jemanden mit einer starken Persönlichkeit, weil das, was er/sie weiß, einer breiten gesellschaftlichen Opposition gegenübersteht. Wir haben auch die Tendenz, bei zweifelhaften Umständen zugunsten Anderer zu sprechen, weil wir unsere eigenen Denkens- und Verhaltensweisen auf sie projizieren. Wenn wir uns nicht gewahr sind, dass es Leute gibt, die entweder genetisch unfähig sind, Anderen mit Empathie und Mitgefühl zu begegnen, oder deren Gewissen wegen ihren Lebenserfahrungen zerschmettert oder vernichtet worden ist (und daher nicht mehr ‚repariert‘ werden kann), und wenn wir nicht wissen, wie sie funktionieren und manipulieren, dann bleiben wir Opfer.

Als jemand, der Mitglied von Organisationen und Vereinigungen war, die für soziale Veränderung gearbeitet haben, haben Sie wahrscheinlich schon des öfteren diese Dynamik miterlebt. Die gute und ernsthafte Arbeit Vieler kann durch die Handlungen einer einzelnen Person vernichtet werden. Das verheißt angesichts des Versuchs, etwas Gerechtigkeit auf unseren Planeten zu bringen, nichts Gutes! Erst wenn jene, die psychologisch normal sind, verstehen, dass wir einen natürlichen Räuber unter uns haben, eine Gruppe von Menschen, die uns als eine ‚paraspezifische Spezies‘ sieht, werden sie bereit sein, über diese menschenähnliche Rasse zu lernen.

Laura: Wenn es eine Arbeit gibt, die sich auf die Hilfe der Menschheit in dieser dunklen Zeit konzentriert, die Vollzeit-Bemühung und -Widmung verdient, ist es das Studium von Psychopathie und der weitgehenden Verbreitung der Information. Jeder, der wirklich etwas tun will: Lasst uns das Wissen um soziale Pathogene hinausbringen; lernt zunächst, wie man sie identifiziert, und dann können wir entscheiden, wie es weitergeht.

Silvia Cattori: Normale Menschen – jene mit Gewissen – arbeiten, um einen Kompromiss zwischen diesen beiden Dingen zu finden. Würden Sie sagen, dass es ein Fehler ist, ihnen gegenüber wohlgesonnen zu sein? Auch wenn die [psychologisch] Verdorbenen/Pathologischen überhaupt kein Gewissen, keine Skrupel haben, und sich auch nicht zurückhalten, Machtpositionen einzunehmen, selbst wenn sie inkompetent sind?

Henry: Wir haben darüber schon etwas früher gesprochen, als wir die Gesellschaft im Lichte eines Gerichtsverfahren beleuchtet haben, wo jeder die Wahrheit als Mittelwert sucht. So lange es einen Kompromiss gibt, werden die Menschen mit Gewissen immer verlieren. Diese psychologisch Abweichenden müssen von jeglicher Machtposition über normale Menschen mit Gewissen entfernt werden; Punkt. Die Menschen müssen darauf hingewiesen werden, dass solche Individuen existieren und müssen lernen, wie man sie und ihre Manipulationen aufdeckt. Der harte Teil ist, dass man sich auch gegen solche Tendenzen zu Erbarmen und Begnadigung in einem selbst abmühen muss, um nicht Opfer zu werden.

Silvia Cattori: Normale Menschen müssen sich das Gewahrsein bewahren, dass nicht alle Menschen grundlegend gut sind und nicht unbedingt Entscheidungen treffen, die gut für die Gesellschaft sind. Die [psychologisch] Verdorbenen/Pathologischen kümmern sich überhaupt nicht um Moral; für sie zählen nur ihre persönlichen Ziele. Sie können ohne jegliche Gemütsregung lügen. Nehmen Sie Bush als Beispiel. Er kann einfach alles sagen und schämt sich nicht einmal dafür. Kennen die [psychologisch] Verdorbenen/Pathologischen keine Skrupel beim Lügen, selbst bei der Zerstörung eines Lands, eines ganzen Volks, solange es ihren Interessen dient?

Henry: Die Vorstellung, dass „alle Menschen gleich“ sind, und dass wir alle im Kern „gut“ sind, wird uns von unserer Geburt an eingetrommelt. Uns wird beigebracht, dass wir Gottes Abbild sind, und dass wir alle den göttlichen Funken in uns tragen.

Uns zeigt aber die Wissenschaft, dass dieses religiöse Märchen nicht der Wirklichkeit entspricht. Die Menschheit hat einen natürlichen Feind, den Psychopathen, und dieser Räuber ist unsichtbar/getarnt, weil es keine einfach zu erkennenden Merkmale gibt, die ihn von uns unterscheiden.

Mehr noch, durch die Geschichte hindurch sind wir auf Basis von physischen, kulturellen, religiösen, oder anderen leicht erkennbaren Merkmalen, die Psychopathen uns leicht beibringen konnten, in Gruppen eingeteilt worden, während unser wirklicher Feind unter einer Maske blieb.

Wir haben sogar Bücher über Psychopathie gefunden, die das Bild zu vermitteln versuchen, dass wir alle Psychopathen sind[3]! Wir sehen dadurch, dass es einen Versuch zur Schadensbegrenzung gibt. Łobaczewski diskutiert den Missbrauch von Psychologie und Psychiatrie als Werkzeug für die Pathokratie unter dem Kommunismus. Nun, wir sehen dasselbe heute in den Vereinigten Staaten. Es gibt [psychologisch] Abweichende, die Psychologen oder Psychiater werden, und die versuchen, die Psychologie aus Sichtweise des Pathologischen neu zu definieren!

Silvia Cattori: Ist einer der Schwachpunkte unserer Gesellschaft die Toleranz, mit der wir diese Monster ansehen? Dass dies ihnen erlaubt, noch mehr Konflikte zu erzeugen und noch mehr Unschuldige zu töten?

Henry: Ist es Toleranz oder Ignoranz? Menschen sind sich nicht bewusst, dass es eine andere Menschenkategorie gibt: Leute, die wir manchmal „fast menschlich“ nennen – die aussehen wie wir, die mit uns zur Arbeit gehen, die es in jeder Rasse, jeder Kultur gibt, die jede Sprache sprechen, denen aber Gewissen fehlt. Und wenn es irgendetwas gibt, das Menschen von Tieren unterscheidet, dann würde ich sagen, dass es das Gewissen ist.

Angesichts den horrendesten Verbrechen sind wir immer noch tolerant gegenüber Anderen, weil wir unsere eigene innere Welt auf sie projizieren. Wir nehmen an, dass, wenn sie äußerliche Gesichtsausdrücke von Trauer zeigen, sie auch tatsächlich trauern. Aber für diese [psychologisch] Abweichenden gibt es keine Trauer, es gibt nur Schauspielerei; ein Hauch von Theater; konstruiert, um uns dahingehend zu täuschen, dass sie „wie wir“ sind.

Silvia Cattori: Das einzige, was zu tun ist, wäre also, weiterhin die Wahrheit zu sprechen. Und uns selbst zu sagen, dass selbst wenn die Lügenden im Moment über die Wahrheit siegen, die Wahrheit auf lange Sicht die Menschen Schritt für Schritt zum Denken anregt?

Henry: Die Wahrheit ist das Einzige, worauf es wert ist, hinzuarbeiten. Was uns von dem Psychopath unterscheidet ist unser Gewissen, und unser Gewissen muss die Stimme der Wahrheit werden. Wahres Gewissen – wenn wir auf es hören – erhebt uns von dem von Pathokraten gelebten Beispiels tierischen Verhaltens. Denken Sie an den Horror des Abu Ghraib Gefängnisses. Hätte das Gewissen dieser Soldaten nicht geschlafen (unter der Annahme, dass sie überhaupt eines hatten) dann hätten sie sich widersetzt, diese Gräueltaten auszuführen. Wären die Stimmen des Gewissens von den Milliarden anderer Menschen, die eines haben, gehört worden, würde es keinen Krieg mehr geben. Es würden andere Mittel gefunden werden, die Differenzen zu legen. Wenn wir auf unser Gewissen hörten, würde es keinen Hunger geben, weil wir den Schmerz und die Leiden der vor Hunger Sterbenden hören würden, und es wäre unmöglich für uns, nichts zu unternehmen. Und wir müssen über die Wege in unserem eigenen Leben nachdenken, wie wir das letzte Bisschen unseres Gewissens töten und beginnen, die schmerzhafte Entscheidung zu treffen, auf es zu hören, bevor es für immer erlischt.

Wenn wir den Unterschied zwischen jemandem mit Gewissen und jemandem ohne Gewissen sehen könnten, würden wir auch sehen, wie unsere Welt ihre gesamte Geschichte hindurch mit dieser Pathologie infiziert wurde. Mit diesem Wissen, und einer Anwendung dieses Wissenes in vollem Bewusstsein unserer Handlungen könnte eine neue Welt geboren werden.

Silvia Cattori: Zusammenfassend gesagt: Es gibt überall Manipulierer. Sie bilden einen Teil der Gesellschaft, die diesem Modell entsprechend strukturiert ist; eine Struktur, die es ihnen erlaubt, sich überall dort, wo sie sich einmischen, entsprechend zu dieser verdorbenen psychologischen Funktionsweise zu verhalten. Sie sind krumme Menschen ohne moralischen Kodex, bereit, alles zu tun, um ihre Interessen zu verteidigen. Sie vermehren sich. Sie sind nicht unbedingt an eine spezifische Ideologie gebunden. Und an dem Zeitpunkt, wenn wir zu vermuten beginnen, dass jemand zu diesem Prozentsatz an krummen Menschen gehört, müssen wir eine andere Haltung einnehmen?

Henry: Ja. Wir müssen lernen, wie man zu diesen Manipulierungen „Nein“ sagt. Das heißt, dass wir über die Manipulationsarten lernen müssen, und lernen müssen, uns zu weigern, dazu zu tanzen.

Laura: Im Gesamten gesehen hat die Fähigkeit zu Betrügen, im Wettbewerb zu stehen und zu lügen sich als ein unerhört erfolgreiche Anpassung herausgestellt. Die Idee, dass Selektionsdruck dazu beitragen konnte, dass sich Frömmigkeit in einer Gesellschaft ausbreitet, sieht in der Praxis unplausibel aus. Es scheint nicht durchführbar zu sein, Gene, die den Wettbewerb fördern, durch Wettbewerb zu verdrängen. „Nette Jungs“ werden gefressen oder sterben einfach aus. Unbedarfte Leute, die unwissend sind, werden gefressen oder sterben einfach aus. Unbedarftheit oder Nettheit ist heute verschwindend selten, und die Miseren und Qualen jener, die ein Gewissen haben und fähig sind, wahrlich zu fühlen und empathisch gegenüber Anderen zu sein, sind viel zu weit verbreitet. Und die psychopathischen Manipulationen sind dazu ausgelegt, aus uns allen Psychopathen zu machen.

Nichtsdestotrotz, eine Neigung zu Gewissen und Ethik kann Überhand nehmen, wenn und nur wenn sie auch fähig ist, die tiefste Ebene von Selbstlosigkeit zu implementieren: das Objekt der Empathie zu einem höheren Ideal zu machen. Im Sinne Anderer – inklusive unserer Nachkommen – Freiheit und Altruismus im abstrakten Sinne zu vermehren.

Kurz gesagt, unsere Selbstzentriertheit/Egoismus sollte eingesperrt werden, um kollektiv sicherzustellen, dass alle Anderen ebenfalls wohlauf und wohlgesonnen sind; und um sicherzustellen, dass die Kinder, die wir in die Welt bringen ebenfalls die Möglichkeit haben, konstitutionell wohlauf und gegenseitig wohlgesonnen sein können.

Das heißt, dass, wenn Psychopathie die Wohlfahrt der Zukunft der Gruppe gefährdet – was sie tut – mit ihr nur durch weitverbreitete Weigerung, dem Selbst zu erlauben, von ihr auf individueller, persönlicher Basis dominiert zu werden, umgegangen werden kann. Die Wahrung der Freiheit des Selbst in praktischer Hinsicht wahrt in ultimativer Hinsicht die Freiheit von Anderen. Schutz unserer eigenen Rechte ALS die Rechte von Anderen unterstreicht die Position des Freien Willens und die Möglichkeit der Zufriedenheit von allen. Wenn mutante Psychopathen eine mögliche Gefahr darstellen, dann diktieren wahre Empathie, wahre Ethik und wahres Gewissen eine prophylaktische Therapie gegen Psychopathen.

Und deshalb ist die Identifizierung des Psychopathen, die Beendigung unserer Interaktionen mit ihnen, ihre Abschottung von der Gesellschaft und die Beendigung unserer Rolle als ‚Nahrung‘ für sie oder als Objekte, die betrogen und benutzt werden können, die einzige effektive Strategie, die wir ausspielen können.

FUßNOTEN
1. Titel lose übersetzt: Ohne Gewissen, Die Maske der Vernunft, Schlangen in Geschäftsanzügen, AdÜ
2. Auf der einen Seite dieser Kontroverse findet sich die traditionelle Beschreibung von Psychopathie, abgeleitet von der alten europäischen Tradition und diskutiert von Łobaczewski, kombiniert mit der nordamerikanischen Tradition von Hervey Cleckley, Robert Hare und anderen. Sie befindet sich in allgemeiner Übereinstimmung mit den Erfahrungen von praktizierenden Psychiatern, Psychologen, Strafjustizpersonal, experimentellen Psychopathologen und sogar Mitgliedern der Laien-Öffentlichkeit, die persönliche Begegnungen mit Psychopathie hatten.

Auf der anderen Seite der Streitfrage ist das, was sich die neo-Kraeplelin’sche Bewegung der Psychodiagnose (benannt nach Emil Kraepelin) nennt, die eng mit der auf der Washington Universität in St. Louis, Missouri, betriebenen Forschung verbunden ist. Diese spätere Sicht ist sehr eng an die diagnostischen Kriterien des U.S. Psychiatric Manual, bekannt als DSM-III, DSM-III-R und DSM-IV, ausgerichtet. Die grundlegende Herangehensweise dieser Schule ist, dass die Einstufung als Psychopath fast ausschließlich auf öffentlich beobachtbaren oder bekannten Verhaltensweisen beruht, was aber genau im Gegensatz zudem steht, was man über Psychopathen weiß: ihre Fähigkeit zur Maskierung ihrer wahren Natur (die Maske der Vernunft). Das Argument ist hierbei, dass ein Kliniker unfähig ist, die zwischenmenschlichen oder affektiven Charakteristiken zu erfassen. Eine weitere Annahme dieser Schule ist, dass frühmanifeste Delinquenz ein Hauptsymptom von APS (Antisoziale Persönlichkeitsstörung) ist. Dies verlagert die Betonung stark auf straffälliges und antisoziales Benehmen, d.h., öffentlich beobachtbare Verhaltensweisen, die nichts mit dem internen Make-up des Individuums zu tun haben müssen.

Wie auch immer, das DSM-III Handbuch entschied, dass Psychopathie zu der Kategorie „Antisoziale Persönlichkeitsstörung“ gehören sollte.

Die Kriterien des DSM-III Handbuches für APS wurden von einem Komitee der DSM-III Task Force der American Psychiatric Association entschieden und wurde nur gering von einem weiteren Komitee, das des DSM-III-R, überarbeitet. Die DSM-IV Kriterien wurden ebenfalls durch ein Komitee entschieden, aber ohne große Beachtung von empirischer Forschung. Diese Kriterien sind weniger fokussiert auf das Verhalten und sind deshalb den Kriterien anderer DSM-IV Persönlichkeitsstörungen sehr ähnlich.

Wegen den Problemen mit der DSM-III und DSM-III-R Diagnose von APS führte die American Psychiatric Association in Vorbereitung von DSM-IV eine Feldstudie durch, um Daten zu sammeln. Die Feldstudie war dazu entworfen, festzustellen, ob auch Persönlichkeitsmerkmale zu den Kriterien für APS (das ausschließlich auf dem öffentlich sichtbaren Verhalten beruht) gezählt werden können, ohne die Genauigkeit einer Diagnose zu reduzieren. Die Absicht jeder Kliniker, die dafür Lobbying betrieben, war, ASP zurück in die klinische Tradition zu bringen und der Verwechslung zwischen ASP und Psychopathie ein Ende zu setzen.

Die Resultate dieser Feldstudie demonstrierten, dass die meisten Persönlichkeitsmerkmale, die Symptome von Psychopathie anzeigten, genauso zuverlässig waren wie die verhaltensspezifischen DSM-III-R Elemente, und entkräfteten somit die ursprüngliche Prämisse, die Persönlichkeit von der Diagnose von ASP/Psychopathie auszuschließen. Mehr noch: die Resultate demonstrierten, dass Hares PCL-R Maßstab tatsächlich die latenten Merkmale von Psychopathie über ihren gesamten Bereich messen kann! Ähnliche Analysen der Daten des Feldversuches zeigen, dass die ASP Kriterien weniger Unterscheidungsfähigkeit von Merkmalen der Psychopathie aufwiesen, besonders bei größerem Ausmaß der Merkmale! In anderen Worten, die Kriterien für ASP, die durch das DSM-III-R Handbuch festgelegt wurden, wurden dazu ausgelegt – vorsätzlich oder nicht – die psychopathischsten Psychopathen auszuschließen!

Obwohl es nach dieser Studie eine empirische Basis gab, der die inhaltsbezogenen Kriterien für ASP im DSM-IV Handbuch vermehrte, wurde dies nicht miteinbezogen; die Kriterien, die in DSM-IV einflossen, waren nicht einmal in der Feldstudie evaluiert worden.

Die textliche Beschreibung des DSM-IV Handbuches von ASP (die laut diesem Handbuch „auch als Psychopathie bekannt“ ist) bezieht sich auf traditionelle Eigenschaften von Psychopathie, ist aber auf viele Arten nicht deckungsgleich mit den formellen Diagnosekriterien.

Eine der Konsequenzen dieser in DSM-IV inhärenten Uneindeutigkeit der Kriterien von Antisozialer Persönlichkeitsstörung (ASP) und Psychopathie ist, dass es die Tür für Gerichtsfälle offen lässt, wo ein Kliniker behaupten kann, dass der Angeklagte die DSM-IV-Definition von ASP erfüllt, und ein anderer Klinker behaupten kann, dass das nicht so ist, und beide gleichzeitig recht haben können! Der erste Kliniker kann ausschließlich die formellen Diagnosekriterien einsetzen, während der zweite Kliniker sagen kann: „Ja, der Angeklagte mag zwar die formellen Kriterien erfüllen, aber er/sie hat nicht die Persönlichkeitsmerkmale, die im Kapitel ‚Dazugehörige Eigenschaften‘ des DSM-IV Handbuchs stehen.“ In anderen Worten: Ein guter Psychopath mit einem guten Anwalt kann jegliches Verbrechen begehen und damit davonkommen. Das Versagen des DSM-IV Handbuches in der Unterscheidung zwischen Psychopathie und Antisozialer Persönlichkeitsstörung kann (und wird zweifelslos) äußerst schwere Konsequenzen auf unsere Gesellschaft haben.
Ein weiteres Beispiel ist der Ausspruch: „Genie und Wahnsinn liegt nahe beisammen.“

 

 

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